Magna pokert, bessert nach und wieder wird bis spät in die Nacht verhandelt.

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Jürgen Rüttgers: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Jürgen Rüttgers: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

dpa

Jürgen Rüttgers: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Berlin. Die Wende nach einem weiteren Tag des Zitterns kommt kurz vor Toresschluss. Und mit ihr Jürgen Rüttgers. Als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Freitag um kurz vor vier am Kanzleramt vorfährt, wo Kameras und ein Pulk von Journalisten den Eingang bevölkern, ist es nicht viel mehr als ein Gerücht. Magna und GM in Sachen Opel auf Einigungskurs? "Ja, es stimmt", sagt ein Unterhändler, "es hat sich was bewegt. Es gibt eine Rahmenvereinbarung."

General Motors kommt ständig mit neuen Zahlen und Themen

Aber hält sie auch einer Überprüfung durch die Bundesregierung stand? "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Rüttgers, bevor er in der Regierungszentrale verschwindet. Weit nach 18 Uhr erst sollen dort die Würfel fallen. Pasch oder Pleite? Noch weiß es niemand. Rückblick auf einen Tag der Wechselbäder:

Magna-Sprecher Daniel Witzani klingt schon am frühen Morgen eingetrübt: "General Motors kommt ständig mit neuen Zahlen und Themen", bilanziert der Öffentlichkeitsarbeiter des kanadisch-österreichischen Autozulieferers vom fernen Graz aus die ihm alle paar Minuten aus dem Berliner Hotel Adlon zugetragenen Informationen.

Dort hat sich die Magna-Spitze um Firmengründer Frank Stronach und Co-Vorstandschef Siegfried Wolf seit 6 Uhr früh mit Vertretern der Opel-Mutter GM eingemietet, um die losen Fäden des (ersten) gescheiterten Opel-Gipfels im Kanzleramt zusammenzubinden. Zunächst mit mikroskopisch kleinem Erfolg. Die (Opel)-Reise nach Jerusalem, sie will kein Ende nehmen. Oder zieht doch wer den letzten Stuhl?

Gegen 11Uhr machen Meldungen die Runde, dass nach dem vorläufigen Rückzug von Fiat aus dem Schönheitswettbewerb der Bieter auch Magna die Allüren der Amerikaner ziemlich satt hat. Was zur Folge hätte, dass der für 16 Uhr im Kanzleramt abermals gedeckte Verhandlungstisch leer bleibt. Und eine Opel-Lösung fern.

Die Botschaft an die SPD zwischen den Zeilen lautet: Mit Merkel wird Opel nicht verstaatlicht

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg will das in der routinemäßigen Pressekonferenz um 11.30 Uhr nicht ausschließen. Ein Treffen auf Spitzenebene, also mit vier Bundesministern, den Ministerpräsidenten der vier Opel-Bundesländer und den Top-Leuten von GM und Magna, wird es nur dann geben, wenn die Partner bis dahin "entscheidungsreife Verträge" vorlegen. Durch Steg spricht eine übellaunige Basta-Kanzlerin, die nach dem missratenen ersten Opel-Gipfel kein zweites Desaster will.

Auch gegenüber ihrem Koalitionspartner, der SPD, zeigt Merkel Zähne. In einem Interview verrät sie ihr Konzept für den Unfall der Fälle: Gelingt es nicht, Opel zu verkaufen, geht das Traditionsunternehmen in die Insolvenz. Die Botschaft an die SPD zwischen den Zeilen lautet: Mit Merkel wird Opel nicht verstaatlicht.

Die Regierung will 1,5 Milliarden Euro geben - und nicht mehr

Derweil nimmt das Drama ein paar 100 Meter vom Kanzleramt seinen Lauf: Im Adlon suchen die Manager von GM und Magna nach einem Finanzkonzept, nachdem sich eine Lücke von 300 bis 350 Millionen Euro aufgetan hat. Auch da bleibt Merkel knallhart. Der Staat will eine Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten sicherstellen - mehr ist nicht drin. Die 1,5 Milliarden Euro sind "nicht verhandelbar", lässt Merkel ausrichten.

Gegen 13 Uhr werden die Signale aus dem Adlon düster. Ob man die Dinge bis 16Uhr unterschriftsreif wegverhandeln könne? "Unmöglich!" Selbst einen Komplettausstieg aus dem Bieterwettbewerb schließt Magna auf einmal nicht mehr aus.

Was dann? 26 000 Opelaner stünden fassungslos da. Das Unternehmen braucht bis Anfang nächster Woche einen dreistelligen Millionenbetrag. Auch Außenminister Steinmeier, bis zuletzt energischer Magna-Fan, stellt sich auf das schlimmste Szenario ein. Die Kosten der Insolvenz werden in seinem Haus auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt. "Das erscheint plausibel", sagt das Arbeitsministerium. Wobei: In der Rechnung sind drei Milliarden Euro Pensionslasten, die nicht den Steuer- oder Beitragszahler, wohl aber die deutsche Wirtschaft belasten, noch nicht einbezogen.

Eine Insolvenz würde weniger kosten als ein Kreditausfall

Insolvenz? Vorab lässt der "Spiegel" die Kanzlerin Sätze sagen, die eine klare Deutung zulassen: Auch wenn man alles tun will, um Opel davor zu bewahren - eine Insolvenz wird vorgedacht. Und zwar von Experten im Wirtschaftsministerium von Karl-Theodor zu Guttenberg. Das Ergebnis: Insolvenz kommt billiger. Selbst im schlimmsten Fall, wenn alle 25000 Opelaner ihren Job verlören, müsste der Staat wesentlich weniger Geld in die Hand nehmen, als wenn der Staat für Kredite von Magna einzuspringen hätte. Dann würden 4,5 Milliarden Euro fällig. Jürgen Rüttgers will so weit nicht denken. "Ich erwarte, dass es heute ein Ergebnis gibt." Und meint ein gutes. Für Opel.

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