Experten bezweifeln, dass die Restriktionen die Finanzbranche sicherer macht.

An der Wall Street und in den Bankentürmen in Frankfurt sind die Pläne von US-Präsident Obama skeptisch aufgenommen worden.
An der Wall Street und in den Bankentürmen in Frankfurt sind die Pläne von US-Präsident Obama skeptisch aufgenommen worden.

An der Wall Street und in den Bankentürmen in Frankfurt sind die Pläne von US-Präsident Obama skeptisch aufgenommen worden.

dpa

An der Wall Street und in den Bankentürmen in Frankfurt sind die Pläne von US-Präsident Obama skeptisch aufgenommen worden.

Frankfurt. Die deutsche Finanzbranche ist verärgert: Im Alleingang stellen die USA scharfe Regeln für Banken auf. Kleiner sollen die Institute nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama werden und weniger jener Risikogeschäfte machen, die das Finanzsystem weltweit an den Rande des Abgrunds brachten. Doch Experten bezweifeln, dass Obamas Vorstoß die weltweit vernetzte Branche sicherer machen wird. Im Gegenteil: Banker und Ökonomen befürchten, dass der Finanzplatz USA so geschwächt wird, dass das Wirtschaftswachstum leiden wird.

"Ich glaube nicht, dass man mit einfachen Eingriffen in die Finanzarchitektur das Systemrisiko schmälert", sagt der Frankfurter Bankenprofessor Jan Pieter Krahnen. "Das weltweite Geflecht der Verbindlichkeiten und Forderungen bleibt." Obama strebt an, das Investmentbanking - wozu Eigenhandel und Beratung bei Fusionen zählt - stärker von restlichen Geschäften zu trennen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht das kritisch: "Ich glaube, dass Vorschläge zur Aufspaltung von Banken oder zur Begrenzung ihrer Größe oder ihrer Geschäfte in die falsche Richtung gehen."

Lutz Raettig, Aufsichtsratschef der US-Bank Morgan Stanley in Deutschland, warnt: "Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist: Je spezieller eine Bank ausgerichtet ist, umso eher gibt es Klumpenrisiken." So war etwa die US-Bank Lehman Brothers eine reine Investmentbank. Lehman kollabierte im September 2008 und riss weltweit Banken und Versicherer mit in den Abgrund. Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte von Ernst& Young, gibt zudem zu Bedenken: "Der Markt wird sich stärker verengen, wenn mehr Konzentration auf das klassische Bankgeschäft verlangt wird." Das könne einzelne Institute zu mehr Risiko im Kerngeschäft anstacheln.

Kritiker sagen: Nicht nur große Banken sind gestrauchelt

Obamas zweite Forderung: Kein Geldhaus dürfe mehr so groß werden, dass sein Kollaps die ganze Volkswirtschaft in Gefahr bringen würde. "Niemals wieder soll der amerikanische Steuerzahler die Geisel einer Bank sein, die zu groß ist, um zu scheitern", polterte Obama. Branchenkenner halten jedoch die Debatte um die Größe von Banken für verfehlt. In der Finanzkrise etwa kamen ganz unterschiedliche Institute unter die Räder: die Citigroup als weltgrößte Bank ebenso wie die kleinste deutsche Landesbank, die SachsenLB, der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ebenso wie die Mittelstandsbank IKB. "Man kann also auch nicht behaupten, dass nur eine Art von Geschäftsmodell versagt hat", bilanziert ein Banker.

Die Bundesregierung reagierte positiv auf die US-Pläne. Das Bundesfinanzministerium erklärte, Obamas Initiative sei ein hilfreicher Impuls für die Reform der Finanzmärkte. Es sei aber zu früh, darüber zu spekulieren, ob so weitreichende Schritte auch für Deutschland infrage kämen. Für die Europäische Union gab EU-Währungskommissar Joaquín Almunia Entwarnung: Die EU brauche keine Zügelung der Banken nach US-Vorbild. Obamas Vorstoß sei mehr als angebracht, aber in der EU nicht nötig, sagte Almunia.

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