Die Lieferanten der Autowerke geraten in den Sog. Stahl- und Folienhersteller sind jetzt auch betroffen.

Düsseldorf. Die sich verschärfende Autokrise erreicht andere Branchen und sorgt für Kurzarbeit auf breiter Front.

Tesa-Film

Am Freitag kündigte auch Beiersdorf-Tochter Tesa Kurzarbeit im Hamburg Werk an, weil das Geschäft mit selbstklebenden Produkten für die Autoindustrie eingebrochen ist. Wie lange die Produktion heruntergefahren werde, sei noch nicht entschieden, sagte eine Beiersdorf-Sprecherin.

"Sobald die Nachfrage wieder anzieht gehen wir mit den 420 Mitarbeitern wieder zurück zur Regelarbeit." In den Werken Offenburg und Concagno (Italien) werden Vorbereitungen zur Einführung der Kurzarbeit in den nächsten Tagen abgeschlossen.

ThyssenKrupp

ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz stellte am Freitag auf der Hauptversammlung in Bochum nach der Stahlsparte auch beim Edelstahl Kurzarbeit in Aussicht. Nach Angaben des Betriebsrates sollen im Februar 10.000 von 19.000 Stahlarbeitern in den sieben deutschen Werken in Kurzarbeit gehen.

Die Stahlsparte ist zu rund 60 Prozent von der Autoindustrie abhängig. Laut Schulz sind die Aufträge um über 50 Prozent weggebrochen. Im Januar waren am Standort Duisburg-Hamborn ist 400 von 14.000 Mitarbeitern in Kurzarbeit.

Ford-Werke

Dem Antrag auf Kurzarbeit muss erst der jeweilige Betriebsrat zustimmen. Danach wird er von den Arbeitsagenturen geprüft. Erst nach einer Genehmigung darf in dem jeweiligen Unternehmen in einem geringeren Umfang gearbeitet werden.

Die Mitarbeiter erhalten von ihren Arbeitgebern anteilig für die tatsächlich gearbeitete Zeit weiterhin Lohn und Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt ihnen, angelehnt an das Arbeitslosengeld, zusätzlich einen gewissen Prozentsatz des wegfallenden Entgelts - 60 Prozent bei Kinderlosen, 67 Prozent bei Eltern.

Ford plant Kurzarbeit in seinen deutschen Werken in Köln und Saarlouis. Der genaue Umfang sei noch unklar, sagte ein Ford-Sprecher. "Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen derzeit." Betroffen seien das Kölner Fiesta-Werk, in dem 4.100 Menschen arbeiten, sowie die Fahrzeugproduktion in Saarlouis mit insgesamt 8.500 Beschäftigten.

Als Grund für die Pläne nannte der Sprecher einen Nachfrageeinbruch auf den Exportmärkten. Rund 80 Prozent der in Deutschland produzierten Ford-Fahrzeuge gingen ins Ausland.

VW-Tochter Audi

Die VW-Tochter Audi beschloss für die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm Kurzarbeit an sechs Tagen. Rund 25.000 Beschäftigte seien von der Regelung betroffen, teilte Personalvorstand Werner Widuckel mit. Umgesetzt wird die Kurzarbeit vom 20. bis 27. Februar. "Die Gesamtnachfrage auf einigen großen Märkten hat so stark nachgelassen, dass wir gezwungen sind zu handeln", erklärte der Manager den Schritt.

VW hat bereits vor Tagen Kurzarbeit für rund 61.000 Beschäftigte in verschiedenen Bereichen seiner deutschen Werke beschlossen. Die Regelung betrifft rund zwei Drittel der VW-Beschäftigten und soll ebenfalls vom 23. bis 27. Februar gelten. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, weitere Kurzarbeit sei möglich.

Daimler-Transporter

Der Autobauer Daimler schickt auch seine Beschäftigten im Transporterwerk in Düsseldorf in die Kurzarbeit. Für 6.100 der 7.500 Mitarbeiter gelte die Maßnahme, sagte am Freitag eine Sprecherin.

Für Februar sei die Kurzarbeit bereits vereinbart, für März und April beantragt worden. In Düsseldorf wird der Mercedes-Benz Sprinter gefertigt. Insgesamt arbeiten damit rund 50.000 Daimler-Beschäftigte an den deutschen Standorten kurz.

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