Geldanlage: Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnt vor wertlosen Beteiligungen an Unternehmen.

Bei guten Zeiten an der Börse – dafür steht der Bulle – hat Anlagebetrug Hochkonjunktur.
Bei guten Zeiten an der Börse – dafür steht der Bulle – hat Anlagebetrug Hochkonjunktur.

Bei guten Zeiten an der Börse – dafür steht der Bulle – hat Anlagebetrug Hochkonjunktur.

dpa

Bei guten Zeiten an der Börse – dafür steht der Bulle – hat Anlagebetrug Hochkonjunktur.

München. An der Börse hat mit den steigenden Aktienkursen auch der Betrug wieder Hochkonjunktur. Früher lockten Abzocker mit windigen Warentermingeschäften auf Kaffeebohnen oder Schweinehälften, dann mit völlig überteuerten Schrott-immobilien - jetzt sind vor allem wertlose Beteiligungen an Aktiengesellschaften groß in Mode gekommen.

Mit Anlagebetrug wird mehr Geld verdient als mit Drogen

Jedes Jahr fallen tausende Anleger in Deutschland auf den kriminellen Lockruf des Geldes herein und verlieren Millionen. "Manche Schätzungen sagen, dass durch Anlagebetrug mehr Geld verdient wird als im Drogenhandel", sagte Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), gestern.

In ihrem "Schwarzbuch Börse" warnen die Anlegervertreter eindringlich vor dem neuesten Betrugsmodell. Bei diesen Luft-Unternehmen gründen die Betrüger eine neue Aktiengesellschaft oder kaufen die Aktien eines bestehenden, aber nicht mehr aktiven Unternehmens auf.

Wichtig ist ihnen laut SdK ein möglichst einprägsamer Firmenname und ein professioneller Internetauftritt, über den sie erfundene Firmennachrichten verbreiten. "Parallel dazu wird mit unrichtigen Einträgen in Internetforen sowie Empfehlungen in Börsenbriefen eine günstige Anlagestimmung erzeugt."

Ihren Sitz hätten die Firmen meist in der Schweiz, da die Gründung einer AG dort einfacher und billiger sei. Über gekaufte Adresslisten suchen sich die Betrüger ihre Opfer aus und bieten ihnen die Aktien zum Kauf an.

Das so eingesammelte Geld transferieren sie schnell ins Ausland - wo es die Anleger meistens nicht wiedersehen. Ein derartiger Fall wird derzeit vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt. Dort werfen die Ermittler mehreren Angeklagten vor, wertlose Aktien des Schein-Unternehmens "E-Sky" an Anleger verkauft und sie damit um mehr als eine Million Euro geschädigt zu haben.

Ärzte, Unternehmer und Anwälte gelten als gefährdet

Besonders gefährdet sind Studien zufolge Berufsgruppen, denen selbst ein hohes Vertrauen entgegengebracht wird: Ärzte, Unternehmensberater, Rechtsanwälte oder Unternehmer werden besonders häufig Opfer von Anlagebetrügern. Zwar ist die Aufklärungsquote beim Anlagebetrug überdurchschnittlich hoch:

Das Bundeskriminalamt listet in seiner Statistik für das Jahr 2008 mehr als 5000 Fälle von Anlagebetrug auf, von denen fast alle geklärt wurden. Das Geld ist bis dahin aber meistens weg. "Es wird geschätzt, dass Anleger hierdurch jährlich Ersparnisse im Wert von rund 100 Millionen Euro verlieren", berichtet die SdK.

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