Die Aktie verliert drastisch an Wert. Kauf mit Hilfe neuer Schulden und einer Kapitalerhöhung.

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Historische Chance oder unkalkulierbares Risiko? Bayer-Chef Werner Baumann (rechts) ist entschlossen, den US-Konzern Monsanto zu übernehmen.

Historische Chance oder unkalkulierbares Risiko? Bayer-Chef Werner Baumann (rechts) ist entschlossen, den US-Konzern Monsanto zu übernehmen.

dpa

Historische Chance oder unkalkulierbares Risiko? Bayer-Chef Werner Baumann (rechts) ist entschlossen, den US-Konzern Monsanto zu übernehmen.

Leverkusen. Der neue Bayer-Chef Werner Baumann gibt Vollgas. Nur wenige Wochen nach seiner Amtsübernahme bietet der nun von dem Krefelder geführte Konzern 62 Milliarden Dollar (gut 55 Milliarden Euro) für das US-Unternehmen Monsanto. Bayer-Aktionäre reagieren schockiert: Der Kurs fiel am Montag um fast sechs Prozent auf 84,4 Euro zurück. Seit die Übernahme ein Thema ist, haben die Bayer-Papiere etwa 16 Prozent verloren – und markieren damit den niedrigsten Stand seit Oktober 2013. Viele Anleger halten den Kaufpreis für zu hoch und sorgen sich um die Finanzierung.

Übernahme soll vor allem mit Krediten gestemmt werden

Um Monsanto bezahlen zu können, plant Bayer eine Kapitalerhöhung. Ein Viertel des Kaufpreises soll mit Hilfe neuer Aktien gestemmt werden. Der Rest wird über Kredite finanziert. Das Bayer-Management vertraut darauf, dass die hohen Gewinne aus dem laufenden Geschäft den Schuldenberg rasch kleiner werden lassen. Dass die Zinsen extrem niedrig sind, erleichtert diesen Weg erheblich.

Bei einer Telefonkonferenz sagte Baumann, dass der Monsanto-Deal nicht über den Verkauf von Konzernteilen bezahlt werden soll. Das sei weder geplant noch erforderlich. Am vereinbarten Kündigungsschutz bis 2020 werde festgehalten. Zudem werde Bayer weiter in deutsche Standorte investieren.

Für Bayer könnte die Übernahme von Monsanto der ganz große Wurf werden. Auf einen Schlag würden die Leverkusener zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen und sich das Wissen des US-Konzerns über genverändertes Saatgut erschließen. In Kombination mit den klassischen Mitteln zur Unkraut-, Pilz- und Schädlingsbekämpfung hätte der Konzern alles im Angebot.

Angst vor einem nachhaltigen Imageschaden angesichts des miserablen Rufs von Monsanto hat Bayer offenbar nicht. Konzernchef Baumann ist sicher, diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Der Weltmarkt für Pflanzenschutz und Saatgut ist seit einiger Zeit heftig in Bewegung, weil die Preise für Agrarprodukte massiv unter Druck stehen. Die US-Konzerne Du Pont und Dow Chemical haben jüngst ihre Fusion angekündigt. Zuvor hatte das Monsanto-Management versucht, den Schweizer Wettbewerber Syngenta zu übernehmen. Das misslang. Kurz darauf stimmten die Schweizer dem Verkauf an den chinesischen Staatskonzern Chemchina zu.

Unklar ist, welche Strategie BASF verfolgt. Noch gilt der Konzern mit Sitz in Ludwigshafen als weltgrößter Chemiekonzern. In der Sparte Landwirtschaft arbeiten BASF und Monsanto schon lange eng zusammen. Die Kooperation soll sogar ausgebaut werden. Deshalb war der finanzkräftige deutsche Konzern auch immer als möglicher Käufer von Monsanto genannt worden. Jetzt ist der Rivale Bayer vorgeprescht. Denkbar, dass BASF nachzieht und einen Bieterwettstreit um Monsanto in Gang setzt.

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