Toyota-«Active Security Car»
In Las Vegas zu sehen: Der Prototyp eines computergesteuerten «Active Security Cars» von Toyota, der auf einem Lexus LS aufsetzt. Foto: Michael Nelson

In Las Vegas zu sehen: Der Prototyp eines computergesteuerten «Active Security Cars» von Toyota, der auf einem Lexus LS aufsetzt. Foto: Michael Nelson

dpa

In Las Vegas zu sehen: Der Prototyp eines computergesteuerten «Active Security Cars» von Toyota, der auf einem Lexus LS aufsetzt. Foto: Michael Nelson

Las Vegas (dpa) - Dem Fahrer helfen, aber ihn nicht entmündigen - das ist die Philosophie der Autobranche, wenn es um digitale Technik geht. Immerhin soll bald Autos auf den Markt kommen, die im Stauverkehr allein unterwegs sein können.

Das Auto wird zum rollenden Computer: Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas (8. bis 11. Januar) sind viele Konzepte für vernetzte Fahrzeuge mit jeder Menge Hilfsfunktionen und Sensoren zu sehen. Nach den Vorstellungen der Autobranche soll die Technik aber nicht den Spaß am Fahren nehmen, sondern vor allem bei der Vermeidung von Unfällen helfen.

So stellte Toyota in der Wüstenstadt den Prototypen eines «Active Security Cars» vor, der auf einem Lexus LS aufsetzt. Äußerlich erinnert das Fahrzeug mit seinen angebauten Sensoren an das selbstfahrende Auto von Google. Bei Toyota steht jedoch vor allem die Absenkung von Unfall-Zahlen mit den damit verbundenen Verkehrstoten und Verletzen im Vordergrund.

Die eingesetzten Komponenten könnten im Prinzip zur Entwicklung eines Fahrzeugs führen, das sich vollständig autonom bewegt. «Unsere Vision ist aber nicht notwendigerweise ein selbständig fahrendes Auto», sagte Toyota-Manager Mark Templin, General Manger der Lexus Division. «In unserem Ansatz der Entwicklung für fortgeschrittene Automationstechnologien spielt die umfassende Beteiligung des Fahrers eine zentrale Rolle.» Der Computer verhalte sich dabei wie ein intelligenter und aufmerksamer Beifahrer, der die Fähigkeiten des menschlichen Wesens am Steuerrad ergänze.

In dem Forschungsfahrzeug kommt unter anderem ein 360-Grad-Radar auf dem Dach des Autos zum Einsatz, das Gegenstände bis zu einer Entfernung von 70 Metern erkennen kann. Drei Farbkameras können Objekte bis zu einer Entfernung von 150 Metern wahrnehmen, darunter auch Ampeln und ihre Farben. Außerdem verfügt das Fahrzeug über weitere Radarsensoren an der Front und an den Seiten, die den Nahbereich rund um das Auto im Blick haben. Wann die Entwicklungen des Forschungsfahrzeugs in Serienprodukte bei Toyota oder Lexus einfließen werden, konnte Templin nicht sagen.

Nach Einschätzung des deutschen Technologie-Konzerns Bosch werden computergesteuerte Autos erst in einem Jahrzehnt im Regelbetrieb auf den öffentlichen Straßen fahren. «Wir bewegen uns in diese Richtung in einzelnen Schritten», sagte der nordamerikanische Bosch-Manager Scott Winchip auf der CES. «Im kommenden Jahr kommen Autos mit einer angepassten Geschwindigkeitsregelanlage auf den Markt, mit der die Wagen in einem Stau automatisch bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h fahren können», sagte Winchip.

Für höhere Geschwindigkeiten in computergesteuerten Autos fehlten aber noch auf mindestens zehn Jahre die notwendigen Voraussetzungen. In diesem Zeitraum müsse an der Standardisierung der Kommunikationsprotokolle für den Datenaustausch sowie an Sicherheitsfeatures gearbeitet werden. Außerdem sei für einen Regelbetrieb eine kritische Masses von modernen Autos notwendig, die untereinander kommunizieren können. «Wir gehen davon aus, dass man mindestens zehn Prozent von "Connected Cars" auf den Straßen benötigt.»

Bosch ist nach eigenen Angaben weltweiter Marktführer bei den Ultraschall-Sensoren, die derzeit vor allem für Einpark-Hilfen eingesetzt werden, um die Entfernung zu anderen Fahrzeugen und Hindernissen zu messen.

Die Vision eines autonom fahren Fahrzeugs wird in der Öffentlichkeit vor allem von den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page vorangetrieben. In den USA sind computergesteuerte Autos von Google bereits rund eine halbe Million Kilometer unfallfrei auf öffentlichen Straßen gefahren. In Deutschland forschen an verschiedenen Universitäten Wissenschaftler am Konzept eines autonomen Fahrzeugs, etwa an der TU Braunschweig und der Freien Universität in Berlin.

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