Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist wieder unter Beschuss geraten.
Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist wieder unter Beschuss geraten.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist wieder unter Beschuss geraten.

dpa

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff ist wieder unter Beschuss geraten.

Bochum (dpa) - Bei Ermittlungen im Zuge des Zusammenbruchs des Kaufhauskonzerns Arcandor ist nach einem Bericht des «Handelsblatts» der Bochumer Staatsanwaltschaft ein brisantes Sitzungsprotokoll in die Hände gefallen.

Wie die Zeitung am Freitag berichtete, gehe daraus hervor, dass der Aufsichtsrat dem damaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff im Dezember 2008 einen Sonderbonus in Höhe von 2,295 Millionen Euro genehmigte - nur einen Tag, nachdem sein Abschied beschlossen worden war. Die Staatsanwaltschaft Bochum erklärte, ein entsprechendes Protokoll liege ihr vor. Zum Inhalt selbst wollte sich der Sprecher jedoch nicht äußern.

Ein Sprecher von Middelhoff dementierte Folgerungen in der Zeitung, die Zahlung sei ein Indiz für den Verdacht der Ermittler, dass Middelhoff überhöhte Zahlungen erhalten und damit Untreuehandlungen zulasten von Arcandor begangen habe. Die Zahlung sei 2005 im Zusammenhang mit dem Anstellungsvertrag als langfristiger Erfolgsbonus vereinbart worden. «Nicht sein bevorstehender Abschied war 2008 Anlass für diese Vereinbarung, sondern ein Vertrag aus 2005», erklärte Middelhoffs Sprecher.

Der Bonus habe die Zielkriterien EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und Cash Flow. Die erste Größe sei weit übererfüllt, die zweite leicht verpasst worden. «Vor dem Hintergrund, dass Middelhoff in den Jahren 2005 bis 2008 die ThomasCook-Gruppe aufgebaut hatte, nahm der Aufsichtsrat von seinem satzungsgemäßen Recht Gebrauch, diese besondere Leistung bei seiner Bonusbemessung zu berücksichtigen», sagte der Sprecher. Middelhoffs Anwalt Sven Thomas rechtfertigte laut Zeitung die Zahlung ebenfalls als einen langfristig vereinbarten Bonus.

Neben dem Bochumer Fall muss sich Middelhoff auch gegen zwei Schadenersatzklagen wehren. Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verlangt von ihm 175 Millionen Euro. Auslöser für die Klage ist der umstrittene Verkauf mehrerer Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds, der auch die Bochumer Ermittler beschäftigt. Die Immobilien waren nach Einschätzung von Görg überteuert zurückgemietet worden. Middelhoff selbst bestreitet die Vorwürfe.

Im zweiten Schadenersatzfall wehrt sich Middelhoff derzeit vor Gericht gegen die Klage eines Ex-Anlegers. Es geht um mögliche irreführende Aussagen, auf die hin der Anleger Arcandor-Aktien gekauft habe. Der Anleger, Jan-Eric Peters, Chefredakteur der zum Axel-Springer-Konzern gehörenden «Welt»-Gruppe, fordert mehrere Tausend Euro, weil er sich von Middelhoff und der Arcandor-Öffentlichkeitsarbeit getäuscht fühlt. Der Journalist klagt als Privatmann.

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