Explosion der Mieten? Der Immobilienverband IVD kann die Klagen nicht verstehen. Kosten seien gesunken.

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Häuserzeile in der Kölner Südstadt: In Großstädten sind die Mieten zuletzt rasant gestiegen.

Häuserzeile in der Kölner Südstadt: In Großstädten sind die Mieten zuletzt rasant gestiegen.

dpa

Häuserzeile in der Kölner Südstadt: In Großstädten sind die Mieten zuletzt rasant gestiegen.

Frankfurt/Berlin. Der Mieterbund schlägt Alarm, die SPD hat das „bezahlbare Wohnen“ als Wahlkampfthema entdeckt: In den vergangenen Jahren haben die Mieten in Deutschland kräftig angezogen. Vor allem in den Metropolen und Uni-Städten. Das dürfe so nicht weitergehen, fordern die Sozialdemokraten und versprechen: „Wir werden verhindern, dass Menschen aufgrund steigender Mieten aus ihren Wohnungen verdrängt werden.“

Doch ist die Lage wirklich so dramatisch? Nein, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD. Er wirft der Politik vor, mit den Ängsten der Bürger zu spielen. Die Mieten hätten in den vergangenen fünf Jahren lediglich aufgeholt. 2012 zogen sie im Bundesdurchschnitt um gut drei Prozent an, in den zehn größten Städten um 7,9 Prozent. 2013 erwarte man aber nur moderat steigende Mieten.

„Die Mieten liegen deutlich unter dem Niveau von 1992“

Tatsächlich seien die Mieten für Neuverträge seit 1992 um 9,4 Prozent, in den Top-10-Städten um 13,6 Prozent gestiegen. Da die Inflation im selben Zeitraum über 40 Prozent betrage, „liegen die realen Mieten 2012 deutlich unter dem Niveau von vor 20 Jahren“, betont IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling.

Inflationsbereinigt wird auch in Top-Städten weniger gezahlt

Das gelte auch für Metropolen: In Berlin liegen die Mieten inflationsbereinigt auf der Hälfte des 1992er-Niveaus, in Hamburg 22 Prozent unter dem Niveau von 1992 und in München rund 15 Prozent.

Manche Mieter können diese Zahlen möglicherweise nicht nachempfinden. Denn viele Haushalte müssen nach Einschätzung des Mieterbunds schon jetzt mehr als ein Drittel ihrer Konsumausgaben fürs Wohnen ausgeben – inklusive Betriebskosten.

Hier haben Vermieter großen Spielraum. In beliebten Gegenden kann die Miete dann stark steigen. Grenzen setzt die ortsübliche Vergleichsmiete. Liegt die Miete mehr als 20 Prozent darüber, gilt sie als unangemessen, wenn das Angebot an vergleichbaren Wohnungen knapp ist.

Balkon oder Isolierungen – wenn der Wohnwert gesteigert wird, kann auch die Miete steigen. „Der Vermieter kann pro Jahr elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen“, sagt Kai Warnecke von Haus & Grund. Die Erhöhung wird Mietbestandteil.

Vermieter können bei langen Mietverhältnissen die Miete auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete anpassen. Voraussetzung ist, dass es in den vergangenen 15 Monaten kein Plus gab und die Miete binnen drei Jahren um maximal 20 Prozent steigt.

Dem setzt der IVD eigene Zahlen entgegen – die sich allerdings auf ganz Deutschland sowie auf die zehn größten Städte insgesamt beziehen. „Bis 1993 mussten Mieter im Schnitt 20,1 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens für die Wohnung ausgeben. Dieser Anteil ist im Laufe der Jahre zurückgegangen und liegt seit 2006 bei etwa 16 Prozent“, sagt Schick.

Dem Einzelnen hilft der Durchschnitt jedoch wenig. Immer mehr Menschen zieht es in Großstädte. Deshalb wird Wohnen vor allem in Szenevierteln rasant teurer.

Mieterbund: In Großstädten war das Wohnen noch nie so teuer

Die Mieterlobby warnt vor den Folgen: Viele Menschen würden an den Stadtrand verdrängt. Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz sagt: „Tatsache ist, dass in Großstädten und Ballungszentren Mieter noch nie so hohe Mieten zahlen mussten wie heute.“

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