Kritik an möglichen Staatshilfen für Arcandor.

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Eckhard Cordes erwartet „kein Katastrophenjahr“.

Eckhard Cordes erwartet „kein Katastrophenjahr“.

dpa

Eckhard Cordes erwartet „kein Katastrophenjahr“.

Düsseldorf. Metro-Chef Eckhard Cordes hat vorerst keine Pläne, den angeschlagenen Kaufhof-Konkurrenten Karstadt zu kaufen. Die andere Variante, dass Karstadt den nicht zum Metro-Kerngeschäft zählenden Kaufhof übernehme, hält er für unrealistisch. "Wir werden den Kaufhof nicht verschleudern", antwortete er am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Düsseldorf auf entsprechende Fragen von Aktionären. Man werde aber die Entwicklung bei der Arcandor-Tochter genau beobachten. Das gebiete die unternehmerische Pflicht.

Die tief verschuldete Karstadt-Mutter Arcandor hatte angekündigt, in Kürze einen Antrag auf Staatshilfen stellen zu wollen. Cordes machte deutlich, dass er staatliche Eingriffe bei Wettbewerbern als eine die Metro benachteiligende Intervention betrachte. Man habe bei Galeria Kaufhof frühzeitig die Weichen richtig gestellt und mit harter Arbeit das Unternehmen äußerst profitabel weiterentwickelt.

Vor diesem Hintergrund sei ein staatlicher Eingriff bei Karstadt ordnungspolitisch sehr fragwürdig. "Wir werden diese Meinung auch in geeigneter Form vertreten", sagte Cordes. Ein Sprecher ergänzte, man werde sich seriösen Gesprächen mit der Politik zur Zukunft der deutschen Warenhäuser nicht verschließen. Dies bedeute aber nicht, dass sich die Metro an einem Rettungsplan für Karstadt beteilige.

Trotz trüber Aussichten für die Gesamtwirtschaft sieht Cordes die Perspektiven für den Konzern optimistisch. Bislang gebe es keine Anzeichen, dass die Kunden beim Grundbedarf ihr Konsumverhalten deutlich korrigierten. "Es scheint, dass sich die Bürger die Laune so schnell nicht verderben lassen", sagte der Metro-Chef. Das laufende Jahr werde "herausfordernd, aber keine Katastrophe".

Eine genaue Prognose gab er noch immer nicht ab. Ins laufende Geschäftsjahr war die Metro eher schwach gestartet. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 2,5 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich standen 77 Millionen Euro Verlust nach acht Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum.

Der Tod einer Arbeiterin in einer Textilfabrik in Bangladesch, die Jeans für Metro herstellt, sorgte für kritische Nachfragen von Aktionären auf der Hauptversammlung. Die 18-Jährige war offenbar trotz Krankheit zur Arbeit gezwungen worden.

Metro-Chef Eckhard Cordes sagte, als Konsequenz hat Metro die Geschäftsbeziehungen zu dem Lieferanten beendet, sämtliche Produkte aus den Filialen entfernt sowie eine Untersuchungskommission eingerichtet. 2005 waren bereits Mängel in dem Betrieb aufgefallen, doch kontrollierte Metro nicht, ob die beanstandeten Probleme später auch abgestellt worden sind.

Die aktuelle Krise sei genau der richtige Zeitpunkt für das im Januar gestartete Effizienzprogramm "Shape 2012", betonte Cordes: Dabei werde ein Stellenabbau unumgänglich sein. "Wir wollen aber alles tun, um auf Entlassungen zu verzichten." Spätestens bis Ende Juni sollen alle Mitarbeiter wissen, wo sie künftig bei der Metro arbeiten. Der Konzernumbau betrifft gut 15 000 Beschäftigte.

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