Stühlerücken beim Handelsriesen Metro. Foto: Martin Gerten
Stühlerücken beim Handelsriesen Metro. Foto: Martin Gerten

Stühlerücken beim Handelsriesen Metro. Foto: Martin Gerten

dpa

Stühlerücken beim Handelsriesen Metro. Foto: Martin Gerten

Düsseldorf (dpa) - Metro-Chef Olaf Koch macht die wichtigste Konzerntochter zur Chefsache und übernimmt die operative Leitung des Metro-Großhandels mit Gewerbetreibenden (Cash & Carry).

Durch das Zusammenlegen der beiden Führungspositionen scheide der bisherige Spartenchef Frans Muller zum Monatsende aus, teilte der Handelsriese am Montag in Düsseldorf mit. In den deutschen Großhandelsmärkten der Metro fallen unterdessen in diesem Jahr etwa 240 Arbeitsplätze dem Sparkurs des Handelskonzerns zum Opfer.

Beobachter bewerteten die Veränderungen als eine Reaktion auf große Probleme. «Der Vorstandsumbau kommt überraschend und zeigt, dass es offensichtlich in wichtigen Bereichen des Konzerns brennt. Koch scheint als Feuerwehrmann unterwegs zu sein», sagte die Vize- Hauptgeschäftsführerin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher der dpa.

Analystin Bianca Casertano vom Handelsinformationsdienst Planet Retail sieht das ähnlich: «Man will ein Zeichen setzen, dass man die Probleme in Angriff nimmt.» Der Metro-Großhandel sei in Deutschland seit Jahren eine Baustelle. In Südeuropa bekomme er die Finanzkrise zu spüren. Für starke Investitionen in Wachstumsmärkte fehle Geld.

Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel betonte in einer Mitteilung, der Metro-Großhandel sei Motor und Wachstumstreiber der Gruppe. «Durch die Zusammenlegung der Leitung von Konzern und wichtigster Vertriebslinie verkürzen wir die Entscheidungswege und schaffen eine direktere Führungsstruktur», erklärte Haniel. Er dankte Muller, der dem Vorstand seit 2006 angehörte, für dessen Leistungen.

In den deutschen Metro-Großhandelsmärkten fallen in diesem Jahr rund 240 Stellen weg. Diese Zahl bestätigte ein Metro-Sprecher. Dabei handele es sich aber nicht um betriebsbedingte Kündigungen, vielmehr würden freiwerdende Stellen nicht wieder besetzt. Zuvor hatte die «Wirtschaftswoche» darüber berichtet. Sie zitiert außerdem aus einer ihr vorliegenden internen Mitteilung des Betriebsrates: «Die Zahlen national sind katastrophal.» Auch die «Lebensmittel Zeitung» geht davon aus, dass der Metro-Großhandel in Deutschland 2012 hohe Verluste ausweist.

Konzernchef Koch legt an diesem Mittwoch (20. März) die Bilanz für das Geschäftsjahr 2012 vor. Er hatte bereits angekündigt, dass der strikte Sparkurs fortgesetzt wird. Metro machen die Billigkonkurrenz aus dem Internet und der gesunkenen Kauflust in europäischen Krisenländern zu schaffen.

In seiner Amtszeit seit Anfang 2012 hatte Koch den Abbau von insgesamt 800 Stellen in verschiedenen Bereichen der Düsseldorfer Zentrale angekündigt. Bei der Supermarkttochter Real sind zudem durch den Verkauf des Ladennetzes in Osteuropa und den Vertriebsumbau in Deutschland Stellenstreichungen wahrscheinlich. Durch den geplanten Rückzug der Elektroniktochter Media-Saturn aus China stehen zahlreiche Stellen im Reich der Mitte auf der Kippe.

Der Metro-Vorstand besteht aus vier Mitgliedern. Daran wird sich durch das Zusammenlegen der Posten Vorstandsvorsitz und Großhandelschef nichts ändern. Denn der Aufsichtsrat hatte mit Pieter Haas einen Vorstand für die Elektroniktochter Media-Saturn berufen. Der Konzerngewinn vor Steuern brach 2012 um 45 Prozent auf 810 Millionen Euro ein. Deshalb soll erstmals die Dividende gekürzt werden.

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