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Rund 1.000 Metallarbeiter in Darmstadt bei einer Kundgebung. Foto: Frank Rumpenhorst

Rund 1.000 Metallarbeiter in Darmstadt bei einer Kundgebung. Foto: Frank Rumpenhorst

dpa

Rund 1.000 Metallarbeiter in Darmstadt bei einer Kundgebung. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main/Berlin (dpa) - Im Tarifkonflikt der deutschen Schlüsselindustrie Metall und Elektro kommt es am Wochenende zu ersten Warnstreiks in den westdeutschen Ländern.

Unmittelbar nach dem Ablauf der Friedenspflicht dort in der Nacht zu Sonntag hat die Gewerkschaft IG Metall ab 0.00 Uhr zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, allerdings zunächst nur in einigen wenigen Betrieben. Richtig anlaufen soll die Warnstreikwelle dann ab Mitte der Woche. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisierte, die Warnstreiks seien «unnötig und schädlich».

Die Gewerkschaft will mit den Aktionen ihren Forderungen im Tarifkonflikt für rund 3,6 Millionen Beschäftigte Nachdruck verleihen. Die IG Metall verlangt in einem Paket 6,5 Prozent mehr Geld sowie die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber bieten bislang 3 Prozent mehr Geld.

IG Metall-Chef Berthold Huber sagte der «Bild»-Zeitung (Freitag), das Angebot der Arbeitgeber sei eine Provokation. «Gibt es im Mai keine Lösung, wird es Arbeitskämpfe geben. Die Bänder der Republik werden dann zeitweise still stehen.» Huber begründete die Lohnforderung mit den Bilanzgewinnen der Großkonzerne. «Wer 26 Milliarden Euro an seine Anteilseigner ausschüttet, hat auch genug Geld, um ordentliche Entgelterhöhungen für seine Beschäftigten zu finanzieren.»

Dagegen kritisierte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser: «Die Warnstreiks dienen lediglich der IG Metall dazu, die eigenen Reihen zu schließen.» Kannegiesser sagte der Nachrichtenagentur dpa weiter: «Den Schaden der unnötigen Machtdemonstration tragen nicht die Unternehmer, sondern die Betriebe davon. Doch deren Erfolg stellt letztlich die wirtschaftliche Basis für beide Seiten dar.»

Kannegiesser verteidigte das Angebot der Arbeitgeber über 3,0 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 14 Monaten. «Damit sind wir an den oberen Rand des wirtschaftlich begründbaren Rahmens gegangen.» Es schöpfe den Verteilungsspielraum, den die Gewerkschaften aus der Inflation und dem Produktivitätszuwachs der Gesamtwirtschaft berechneten, voll aus und bedeute eine spürbare Reallohnsteigerung für die Beschäftigten.

In der Nacht zu Sonntag hat die IG Metall die Beschäftigten verschiedener Unternehmen zu Warnstreiks aufgerufen, etwa bei MAN Diesel in Augsburg, im Berliner Osramwerk, bei ThyssenKrupp Rasselstein in Andernach und bei Continental in Gifhorn.

In Ostdeutschland war die Friedenspflicht bereits früher abgelaufen, dort gab es schon Arbeitsniederlegungen. In der Metall- und Elektroindustrie im Osten gibt es aber weitaus weniger Beschäftigte als im Westen. Die nächste Verhandlungsrunde in der Tarifrunde beginnt am 8. Mai im baden-württembergischen Sindelfingen.

Parallel zur Metall-Tarifrunde gingen am Freitag in dritter Runde die Tarifverhandlungen über Branchenzuschläge für mindestens 240 000 Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie weiter. Die IG Metall will damit eine Angleichung an die Entgelte der Stammbelegschaften erreichen und den Abbau vom Stammarbeitsplätzen verhindern. Eine Annäherung bei den Gesprächen zwischen der IG Metall und den Zeitarbeitsverbänden BAP und IGZ in Frankfurt wurde nicht erwartet.

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