Was Ludwig Poullain, Bankier alter Schule, von den heutigen Banker-Methoden hält.

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Ludwig Poullain: Wir erleben eine Krise der Gesellschaft.

Ludwig Poullain: Wir erleben eine Krise der Gesellschaft.

dpa

Ludwig Poullain: Wir erleben eine Krise der Gesellschaft.

Düsseldorf. Ludwig Poullain hat immer ein wenig gegen den Strich gebürstet. Der erste Chef der Düsseldorfer WestLB ist ein Freund deutlicher Worte. Und so hat sich der gebürtige Lüttringhauser auch sehr kritisch mit der Bankenkrise und ihren Folgen auseinandergesetzt. "Was ein progressiver Banker alter Schule von den heutigen Bankermethoden hält", darüber und über die Folgen für die Wirtschaft hat der 89-Jährige vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf gesprochen. "Ich will nicht zum Moralisten werden. Wir waren früher anders, aber nicht besser", schickte er voraus.

Ludwig Poullain über...

... Renditestreben der Banken

"Manchmal habe ich mich bei der Lektüre des Wirtschaftsteils im Sportteil gewähnt angesichts der Rankings über die ertragreichsten Banker. Es wurde einzig der kurzfristigen Rendite hinterhergehechelt."

... die Zügelung der Gier

"Was mich das Fürchten lehrt, ist das Fortbestehen der Ertragsbesessenheit. Die Gier wird sich durch staatliche Dekrete nicht zügeln lassen."

... Boni und Halteprämien

"In meinen Augen ist der Bonus ein Frevel. Noch schlimmer jedoch sind Halteprämien. Damit lässt man sich gegen Geld anketten und übt eine Tätigkeit aus, von der man nicht überzeugt ist."

... Kreditvergabe von Banken

Ludwig Poullain wurde am 23. Dezember 1919 in Lüttringhausen geboren. Seine Karriere startete er bei der Sparkasse Remscheid. Poullain war von 1967 bis 1972 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und von 1969 bis 1977 Vorstandsvorsitzender der WestLB. In dieser Zeit überflügelte die WestLB bei der Bilanzsumme die Deutsche Bank. Nach einer Affäre trat Poullain 1977 zurück. Danach arbeitete er als Berater.

"Den Mittelstand mit Krediten zu versorgen ist kein öffentlicher Auftrag, sondern ein gutes Geschäft."

... die drohende Kreditklemme

"Im Herbst 2010 wird sich ein großer Trichter auftun, wenn die Unternehmen mit Krediten versorgt werden müssen. Die Deutsche Bank allein wird das nicht stemmen können. Die Commerzbank ist nach der Fusion mit der Dresdner Bank noch zu schwach. Die Sparkassen bleiben als Alternative, sind aber regional stark zersplittert."

... den moralischen Niedergang der Finanzbranche

"Der Fall des Bankhauses Sal. Oppenheim ist für mich ein Beispiel dafür. Die Wandlung von einem ehrbaren Haus seriöser Bankiers zu umtriebigen Bankern vollzog sich innerhalb einer Generation. Nach dem selbst inszenierten Absturz steht die Bank demnächst gleichberechtigt mit der Postbank in den Regalen der Deutschen Bank."

... die Lage der WestLB

"Auch die Sparkassen tragen Verantwortung für die aktuelle Lage. Die WestLB hat das riskante Derivategeschäft ja quasi stellvertretend für die Sparkassen gemacht."

... die staatliche Opel-Aktion

"Wenn ich Opel höre, dann gehe ich auf die Palme. Was sind 20000 Beschäftigte von Opel bei mehr als vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland, wenn man die Chance hat, Überkapazitäten vom Markt zu nehmen?"

... die Staatsverschuldung

"Ich halte das politische System für unfähig, die Staatsverschuldung in großem Umfang zurückzuführen. Was also bleibt, außer dies über Geldentwertung zu erreichen? Wir werden uns an Inflationsraten von fünf Prozent gewöhnen müssen."

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