Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL.
Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

dpa

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

Frankfurt/Hamburg (dpa) - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) droht im Tarifkonflikt um einen bundesweiten Rahmentarifvertrag mit Streiks. Verhandlungen mit der Gruppe der sechs großen Privatbahnen wurden am Donnerstagabend abgebrochen. Beide Seiten wiesen sich dafür gegenseitig die Verantwortung zu.

Die Unternehmen hätten bei den Gesprächen «die Chance auf eine Verhandlungslösung zunichtegemacht», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Freitag. Die Bundestarifkommission der GDL will am 3. Februar die weiteren Schritte festlegen. Die Arbeitgeber erklärten, die GDL habe keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt.

An der erfolgreichen Schlichtung für einen Branchentarifvertrag im regionalen Schienenverkehr hatte sich die GDL nicht beteiligt. Die Deutsche Bahn und die Privatbahnen hatten sich Anfang der Woche mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) darauf geeinigt, dass für rund 31 000 Beschäftigte in den einzelnen Entgeltgruppen künftig das gleiche Einkommen gilt.

Die GDL strebt einen bundesweiten Rahmentarifvertrag für alle Lokführer an. Erklärtes Ziel ist es, «das Entgeltniveau auf hohem Niveau dauerhaft zu erhalten». Außerdem sollen die Lokführer beim Wechsel eines Streckenbetreibers keine Nachteile erleiden.

Weselsky lehnte für seine Klientel den Branchentarifvertrag mit dem Hinweis ab, allein die GDL sei aufgrund ihres Organisationsgrades legitimiert, Tarifverträge für Lokführer abzuschließen. Bei der EVG seien nicht einmal zehn Prozent der Lokführer organisiert.

Privatbahn-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel von der Benex GmbH berichtete, die GDL wolle für alle Lokführer in Deutschland ein Tarifniveau einführen, das heute für die Lokführer des Personenfern- und Güterverkehrs üblich sei. «Das können wir nicht erfüllen», sagte Riedel der Deutschen Presse-Agentur. Sie führt gemeinsam mit Ulrike Haber-Schilling von Veolia Verkehr die Verhandlungen für sechs regional tätige Konkurrenzunternehmen der Deutschen Bahn.

Riedel verwies darauf, dass Güter- und Fernverkehr ganz andere Märkte als der regionale Schienenverkehr darstellten. Deshalb würden die Lokführer in den Sparten auch unterschiedlich bezahlt. «Wir hoffen, dass sich in der Tarifkommission der GDL die Vernunft durchsetzt» und die Gewerkschaft von einem Streik absehe. Sie appellierte an die GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die Lokführergewerkschaft verhandelt am kommenden Montag wieder mit der Deutschen Bahn. Der bundeseigene Konzern sei «zuversichtlich, weiter voranzukommen», sagte eine Bahnsprecherin. Der Branchentarifvertrag sei eine gute Lösung, der richtige Weg. Sechs private Betreiber des Schienengüterverkehrs haben der GDL nach deren Angaben ein Entgeltangebot bis zum 2. Februar zugesagt.

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