Obst
Buntes Obst-und Gemüseangebot eines Händlers in der Berliner Marheineke Markthalle: Im Jahresdurchschnitt mussten Verbraucher für ihre Nahrungsmittel 1,6 Prozent mehr bezahlen als 2009.

Buntes Obst-und Gemüseangebot eines Händlers in der Berliner Marheineke Markthalle: Im Jahresdurchschnitt mussten Verbraucher für ihre Nahrungsmittel 1,6 Prozent mehr bezahlen als 2009.

dpa

Buntes Obst-und Gemüseangebot eines Händlers in der Berliner Marheineke Markthalle: Im Jahresdurchschnitt mussten Verbraucher für ihre Nahrungsmittel 1,6 Prozent mehr bezahlen als 2009.

Berlin (dpa) - Der Griff zum Häppchen auf der Grünen Woche hat in diesem Jahr einen Beigeschmack. Die Lebensmittelbranche muss ums Image kämpfen, nachdem dioxinbelastete Eier und verdächtiges Schweinefleisch in den Handel kamen.

Wegen des Dioxin-Skandals kauft fast jeder zweite Bundesbürger inzwischen anders ein als zuvor, ergab eine TNS Emnid-Umfrage. Fraglich ist, ob die Kunden langfristig bewusster einkaufen - oder ob sich der alte Trott schnell wieder einstellt.

Die Grüne Woche, die an diesem Freitag für das Publikum öffnet, steht im Schatten des Dioxin-Falles durch das Panschen von Futter- und Industriefett. Am Tag der offiziellen Eröffnung machte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) auf der Messe traditionell einen Rundgang durch die Halle ihres Ministeriums - in diesem Jahr unter besonders strengem Blick des Sicherheitspersonals. In den Vorjahren hatte es bei diesem Anlass unangenehme Besuche von Umweltschützern gegeben.

In diesem Jahr hatte Aigner die Aufmerksamkeit für sich. Sie will die Grüne Woche nutzen, um für Qualität der Lebensmittel zu werben. Beim Kosten von Allgäuer Käse und Berliner Leitungswasser appellierte sie am Donnerstag an die Bürger, beim Einkauf nicht allzu knauserig zu sein - auch wenn es manche gebe, die jeden Cent umdrehen müssten.

Auch Bauernpräsident Gerd Sonnleitner will weg vom «billig, billiger, am billigsten» - denn das Prinzip scheitert nach seiner Meinung. Billig - darauf stehen allerdings viele Kunden. Immerhin: Rund drei Viertel der Bundesbürger würden mehr Geld für gesünderes Essen ausgeben. Nur rund ein Fünftel findet laut einer Emnid- Befragung, dass Nahrungsmittel in Deutschland zu billig sind, um gut zu sein. 37 Prozent halten sie gar für überteuert. «Lebensmittel müssen sicher sein», fordert Aigner - egal welchen Preis sie haben.

Dass die Kunden sich dauerhaft umstellen, glaubt Hubert Weiger nicht. «Wir wissen aus der Erfahrung, dass die erhöhte Aufmerksamkeit mit der Zeit zurückgeht», sagt der Präsident des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland. «Viele glauben, die Politik habe gehandelt, wenn sie entsprechende Absichtserklärungen abgibt.»

Die Lebensmittel werden in den kommenden Monaten teurer, ohne dass sich etwas an der Qualität ändern müsste: Denn die Rohstoffkosten steigen drastisch - und das wollen die Hersteller zumindest teilweise an die Verbraucher weitergeben. Sonnleitner geht von einer Preissteigerung um zwei Prozent aus. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,8 Prozent und der real verfügbaren Einkommen von 3,4 Prozent.

Der Preisanstieg der Rohstoffe wird auch durch Spekulationen an den Agrarmärkten ausgelöst. Die Agrarminister von rund 50 Ländern wollen an diesem Samstag in Berlin über mögliche Konsequenzen beraten. «Wenn Spekulanten auf steigende Preise wetten, setzen sie Menschenleben aufs Spiel», kritisiert die Hilfsorganisation Oxfam. Deshalb will Aigner auch das Zocken auf Weizen oder Kakao eindämmen - wie genau ist aber unklar. Ob sich die Forderung international umsetzen ließe, ist ebenfalls offen.

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