Hersteller wollen steigende Rohstoffkosten an die Kunden weitergeben.

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Für Milch, Brötchen und Orangensaft müssen Kunden mehr bezahlen.

Für Milch, Brötchen und Orangensaft müssen Kunden mehr bezahlen.

dpa

Für Milch, Brötchen und Orangensaft müssen Kunden mehr bezahlen.

Düsseldorf. Die Lebensmittelpreise in Deutschland kannten in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: nach unten. Auch in diesem Jahr läuteten die Discounter schon sieben Preissenkungs-Runden ein.

Doch das könnte nach Einschätzung von Experten bald vorbei sein: Hinter den Kulissen führen die Lebensmittel-Hersteller Diskussionen über Preiserhöhungen, schreibt das "Handelsblatt". Sie überlegen demnach fieberhaft, wie sie Erhöhungen bei den Discountern durchsetzen können.

Milch, Butter und Orangensaft sind bereits teurer geworden

Anfänge sind bereits gemacht: Aldi hat erste Erhöhungen zugelassen. So stieg der Preis für Orangensaft seit Monatsbeginn um 18 Prozent. Butter kostet nun 1,05 Euro statt 85 Cent. Milch ist um vier Prozent teurer geworden. Der Discounter gilt als Zugpferd im Preiskampf - die Konkurrenten haben bereits nachgezogen.

Grund für die drohende Preisspirale sind die explodierenden Rohstoffpreise. Weizen, Zucker, Kaffee oder Kakao sind in den vergangenen Monaten um bis zu 50 Prozent teurer geworden. Naturkatastrophen, aber auch die zunehmende Macht von Spekulanten haben massive Steigerungen ausgelöst.

Beispiel Weizenpreis: Er liegt derzeit bei mehr als 230Euro pro Tonne und hat sich innerhalb einer Woche um fast 20Prozent erhöht. Die Brände im Ernteland Russland haben die Teuerung dabei weiter angefacht.

Die Bäcker kündigen für den Herbst Preiserhöhungen an

Die Bäcker reagieren: "Wir wollen die Preise Ende September erhöhen", kündigte Herbert Mainz, Mitinhaber der Großbäckerei Kronenbrot, im "Handelsblatt" an. Backwaren sollen sieben bis acht Prozent teurer werden.

Ähnliches ist vom Großbäcker Kamps zu hören: "Für den Gesamtmarkt gibt es einen erheblichen Druck, der letztlich auch beim Kunden ankommen dürfte", sagte Kamps-Chef Jaap Schalken.

Die Bauern wollen sich aber nicht in die Sündenbock-Rolle drängen lassen. "Wir sind nicht schuld an teuren Brötchen", ließen sie mitteilen. Die Erzeugerpreise für Getreide seien zwar um 50 Prozent gestiegen.

"Der Mehlanteil beträgt aber nur fünf Prozent des Verkaufspreises von Brötchen", sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Franz-Josef Möllers. "Die zwei Cent, die das Mehl ausmacht, dürften nicht der auslösende Faktor sein, wenn es heißt: ,Wir setzen die Preise herauf.’"

Beispiel Orangensaft: Hintergrund der Preissteigerungen sind nach Angaben des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie deutlich gestiegene Einkaufskosten für Fruchtsaftkonzentrat durch wetterbedingte Ernteausfälle im Hauptexportland Brasilien. Aus Brasilien kommen 80 Prozent des weltweiten Fruchtsaftkonzentrats. Wiederum 80 Prozent des Fruchtsaftes in Deutschland werden aus Konzentrat hergestellt.

Schlechte Apfelernte führt zu höheren Saftpreisen

Ein Umstieg auf Apfelsaft wird den Kunden auch nicht viel nutzen: Wegen der deutlich schlechteren Apfelernte ist auch hier nach Verbandsangaben mit höheren Preisen zu rechnen.

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