Fahrräder sind nicht einfach mehr Fahrräder: Es gibt sie mit Motor oder Kofferraum.

Cargo-Räder sollen vom Nischenprodukt zum Trendsetter werden.
Cargo-Räder sollen vom Nischenprodukt zum Trendsetter werden.

Cargo-Räder sollen vom Nischenprodukt zum Trendsetter werden.

dpa

Cargo-Räder sollen vom Nischenprodukt zum Trendsetter werden.

München. Die Fahrradbranche steht unter Strom. Das stetig wachsende Interesse an Elektrorädern hilft, den sinkenden Umsatz auszugleichen – und weckt Hoffnung auf Wachstum. Auch auf der Fahrradmesse Ispo Bike, die am Donnerstag in München begonnen hat, stehen die Räder mit Hilfsmotor im Mittelpunkt. Denn mengenmäßigen Zuwachs gibt es auf dem deutschen Radmarkt nicht. Seit Jahren sinkt die Zahl der verkauften Drahtesel leicht. Zuletzt drückte der verregnete Sommer 2012 den Absatz um 150 000 auf 3,95 Millionen Räder.

In Deutschland sind bereits 1,3 Millionen E-Bikes unterwegs

Im Blick haben die Hersteller vor allem Kunden, die bisher nicht auf das Fahrrad setzen, Berufspendler etwa. „Das E-Bike könnte in Städten das Auto ersetzen“, sagt der Sprecher des Branchenverbands (ZIV), Stephan Schreyer. Jeder Zweite der 34 Millionen Pendler hat laut Statistik einen Weg von weniger als zehn Kilometern zur Arbeit. Eine solche Strecke ließe sich gut mit dem E-Bike bewältigen, so Armin Falkenhein vom Fahrradclub ADFC.

Das Potenzial ist laut Zweirad-Industrie-Verband enorm. Der ZIV rechnet mit 450 000 verkauften Exemplaren 2013 – das wäre ein Plus von fast 19 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind in Deutschland 1,3 Millionen E-Bikes unterwegs. Inzwischen ist jedes zehnte verkaufte Rad ein E-Bike, 2012 stieg der Verkauf um 15 Prozent, der Absatz von klassisch muskelbetriebenen Fahrrädern ging hingegen um rund fünf Prozent auf gut 3,6 Millionen zurück.

Für die Fahrradindustrie entwickelt sich das Nischenthema zu einem wichtigen Umsatzbringer. Denn die stromgetriebenen Zweiräder sind teurer, treiben also die Erlöse nach oben. Überhaupt lassen sich die Kunden in Deutschland ihr Zweirad mehr kosten. Im Schnitt, so der ZIV, legten Käufer 2012 pro Rad 513 Euro auf den Tisch. Zwei Jahre zuvor waren es noch 53 Euro weniger.

Die Deutsche Post nutzt bereits die „Cargo–Räder“

Auf der Ispo Bike wollen die Anbieter einen weiteren Trend setzen: So sollen Lastenfahrräder mit elektrischer Unterstützung dem Geschäft den nächsten Schub verleihen. Der Transport mit dem Fahrrad rücke zunehmend auch ins Visier von Firmen. So könnten Lastenfahrräder mit Zuladung von bis zu 200 Kilogramm etwa Teile auf dem Werksgelände transportieren. „Das Potenzial ist da, die Kundschaft fragt das an“, sagt König. Bisher ist der tatsächliche Verkauf der 3500 bis 10 000 Euro teuren Räder aber überschaubar.

Der Deutschen liebste Fahrräder sind nach wie vor das City- und das Trekkingrad. Mehr als jedes zweite verkaufte Fahrrad in Deutschland gehörte 2012 in diese Kategorie.

Der Fahrradbestand in Deutschland liegt laut ZIV bei rund 71 Millionen Stück.

Nach Schätzung des ZIV sind 95 Prozent aller verkauften E-Bikes sogenannte Pedelecs. Bei diesen Fahrzeugen wird das in die Pedale treten bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h und mit einer Leistung des Elektromotors von maximal 250 Watt unterstützt. Sie brauchen kein Versicherungskennzeichen, keine Mofaprüfbescheinigung, und der Radweg darf genutzt werden.

Nichtsdestotrotz: Einige Logistikfirmen oder Handwerker haben das Thema bereits für sich entdeckt, so Falkenhein. „Wir glauben, dass sich die Cargo-Räder aus der Nische heraus zu einem echten Verkehrsmittel entwickeln“, sagte der Chef der Messe München, Klaus Dittrich. Die Deutsche Post etwa nutzt die E-Technik längst. 6400 E-Bikes sind im Einsatz.

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