Die Lebensversicherung wirft weniger Rendite ab. Das spiegelt sich im schwachen Neugeschäft wider. Foto: Arno Burgi
Die Lebensversicherung wirft weniger Rendite ab. Das spiegelt sich im schwachen Neugeschäft wider. Foto: Arno Burgi

Die Lebensversicherung wirft weniger Rendite ab. Das spiegelt sich im schwachen Neugeschäft wider. Foto: Arno Burgi

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Die Lebensversicherung wirft weniger Rendite ab. Das spiegelt sich im schwachen Neugeschäft wider. Foto: Arno Burgi

Berlin (dpa) - Die Deutschen entscheiden sich bei der Altersvorsorge seltener für eine Lebensversicherung. Das Neugeschäft mit regelmäßigen Beiträgen ging 2013 um 13,1 Prozent zurück, wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch mitteilte.

Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds stiegen im Vergleich zum Vorjahr dennoch um 4,0 Prozent auf 90,8 Milliarden Euro. Das lag vor allem an vielen Einmalzahlungen von Kunden aus den geburtenstarken Jahrgängen der 60er Jahre. Die Summe der Einmalbeiträge erhöhte sich um 14,2 Prozent auf 25,7 Milliarden Euro.

Eine von der Bundesregierung angestrebte Gesetzesänderung sieht die Branche skeptisch, auch wenn sie den Unternehmen in einem wichtigen Punkt entgegenkommt. GDV-Präsident Alexander Erdland begrüßte die vom Bundesfinanzministerium geplanten neuen Regeln für die Verwendung von Bewertungsreserven.

«Wir haben aber generell die Sorge, dass hier zu viel versucht wird.» Es sei zu befürchten, «dass zu viele Einschränkungen hineingepackt werden».

Nach den Regierungsplänen sollen die Kunden am Vertragsende künftig geringer an Kursgewinnen festverzinslicher Wertpapiere, den sogenannten Bewertungsreserven, beteiligt werden. Derzeit erhalten sie 50 Prozent dieser Reserven, die anteilig auf ihre Lebensversicherung entfallen. Im vergangenen Jahr waren das 2,8 Milliarden Euro.

Dieses Geld fehle den Kapitalerträgen für alle übrigen Versicherten, das seit 2008 geltende Verteilungssystem sei daher ungerecht, argumentiert die Branche. Kritiker wie der Bund der Versicherten sprechen hingegen von einem Hilfspaket für die Unternehmen zulasten der Versicherten, die weniger Geld bekämen. In Deutschland gibt es rund 95 Millionen Lebensversicherungen. Davon werden jährlich etwa 7 Millionen ausgezahlt.

Erdland wies den Vorwurf zurück, die Versicherer trügen selbst die Verantwortung für ihrer schwieriger werdende Finanzlage, weil sie ihren Kunden in den 90er Jahren jährliche Renditen von bis zu 4 Prozent zugesagt hätten. Auf dem damaligen Zinsniveau sei das gerechtfertigt gewesen. Inzwischen aber hätten staatliche Eingriffe die Zinsen auf ein langfristig niedriges Niveau gedrückt.

Erdland warf der Europäischen Zentralbank (EZB) vor, zu lange an niedrigen Zinsen festzuhalten. «Je länger diese Politik dauert, desto größer werden die Risiken», sagte er. Die Wirkung der beiden Leitzinssenkungen im vergangenen Jahr auf zuletzt 0,25 Prozent seien verpufft und Impulse für die Konjunktur kaum messbar. Mit ihrem Kurs des billigen Geldes sende sie ein falsches Signal für alle, die Interesse an einer langfristigen, stabilen Geldanlage hätten.

Zu Details der geplanten Gesetzesnovelle für Lebensversicherer wollte sich der GDV noch nicht äußern. «Wir wissen nicht, was in Arbeit ist», sagte Erdland. Das gelte auch für Spekulationen über einen Stichtag, bis zu dem noch die alten Regeln für die Bewertungsreserven sollen. Das Finanzministerium könnte zudem bald festlegen, den Garantiezins bei Neuverträgen von 1,75 auf 1,25 Prozent zu senken.

Finanzstaatssekretär Michael Meister (CDU) hatte am Vortag gesagt, es werde auch überlegt, Kunden stärker an Risikogewinnen zu beteiligen. Das sind Erträge, die sich durch eine vorsichtige Kalkulation der Versicherungsunternehmen ergeben. Das Risikomanagement der Versicherer solle insgesamt stärker unter die Lupe genommen und die Eingriffsrechte der Finanzaufsicht gestärkt werden.

Möglich ist nach Meisters Worten auch eine Dividendensperre für die Aktionäre von Versicherern, die in Schwierigkeiten geraten sind. Erdland sagte dazu, Verpflichtungen gegenüber Kunden hätten immer Vorrang: «Niemand will den Aktionären geben, was den Kunden zustünde.»

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