Die Bundesregierung und der DIHK erwarten im laufenden Jahr ein Wachstum von 3,4 Prozent.

Berlin. Gute Nachricht für alle Jobsuchenden: Deutschlands Unternehmen wollen dank des Wirtschaftsbooms in den nächsten zwölf Monaten kräftig einstellen - mindestens 300.000 neue Jobs sollen entstehen.

Auch die Bundesregierung teilt die Euphorie. Sie wird für 2010 ihre Konjunkturprognose mehr als verdoppeln. "Die wirtschaftliche Lage ist besser als wir sie erwartet hatten", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Regierung verdoppelt ihre Prognose für 2010

Die Regierung hebt ihre Schätzung für das Wirtschaftswachstum 2010 von 1,4 auf 3,4 Prozent an. Für 2011 wird die Prognose von 1,6 auf 1,8 Prozent erhöht. Damit bleibt die schwarz-gelbe Koalition für beide Jahre etwas zurückhaltender als die führenden Forschungsinstitute. Sie hatten für 2010 ein Wachstum von 3,5 Prozent und für 2011 von 2,0 Prozent vorausgesagt. Offiziell wird die Herbstprognose am Donnerstag von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vorgelegt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) aber sieht Europas Aufschwung skeptisch und rät, den Schuldenabbau notfalls aufzuschieben. Der Aufschwung dürfe nicht kaputtgespart werden. Immerhin: Bei krisengeschüttelten Problemländern wie Griechenland und Irland sieht der IWF Licht am Ende des düsteren Konjunkturtunnels.

Der Bund wird dank des Aufschwungs laut Merkel weniger neue Schulden machen als befürchtet. Die Neuverschuldung dürfte 2010 bei etwas mehr als 50 Milliarden Euro liegen. Auf dem Höhepunkt der Krise war mit 80 Milliarden Euro gerechnet worden. Die Arbeitslosigkeit könne in diesem Jahr unter drei Millionen sinken. "Der Arbeitsmarkt ist für die Psychologie des Landes sehr wichtig", sagte Merkel.

Lage und Erwartungen der Unternehmen im Rheinland haben sich seit Jahresbeginn deutlich verbessert. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern Rheinland (Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein) hervor, an der sich 2000 Unternehmen beteiligten. Demnach sind 35 Prozent (Jahresbeginn: 21) der Betriebe mit ihrer Lage zufrieden, nur zwölf Prozent sprechen von schlechten Geschäften (Jahresbeginn: 29).

Die Unternehmen setzen wieder verstärkt auf Expansion. 30 Prozent (Jahresbeginn: 22) der Befragten stocken ihre Investitionsbudgets fürs nächste Jahr auf, nur 15 Prozent wollen die Investitionen zurückfahren (Jahresbeginn: 26). "Die Unternehmen wollen nicht nur investieren, sie müssen es auch", beschreibt Michael Swoboda, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, den Trend. Vor allem die Industrie greife Projekte auf, die in der Krise verschoben werden mussten.

Laut IHK stabilisiert sich der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag im September bei acht Prozent, im Vorjahr waren es noch 8,5 Prozent. In der IHK Umfrage geben 22 Prozent der Unternehmen an, zusätzliches Personal einstellen zu wollen. Jedes zweite Unternehmen setzt auf Zeitarbeiter und will Zeitarbeit auch in Zukunft nutzen. Dabei nennen die Befragten weniger die Kostenersparnis als die Flexibilität als Grund.

Der DIHK erwartet wie die Regierung im laufenden Jahr ein Wachstum von 3,4 Prozent. 2011 werde die Krise überwunden sein. Das Tempo des Aufschwungs verlangsame sich aber auf 2,4 Prozent. "Das wäre immerhin ein doppelt so starkes Wachstum wie im Durchschnitt der letzten 20 Jahre", sagte Verbandsmanager Martin Wansleben.

Gute Geschäfte für Gaststätten, Hotels und Reiseveranstalter

Allein in der Gesundheitsbranche wollen die Arbeitgeber im nächsten Jahr Zehntausende neue Mitarbeiter einstellen. Auch Betriebe in den Bereichen Metallerzeugung, Elektrotechnik, Computertechnik, Handel und Maschinenbau suchen neue Mitarbeiter. Der stärkste Beschäftigungsimpuls kommt laut DIHK von mittelständischen Firmen. Gute Geschäfte melden Hotels, Gaststätten und Reiseveranstalter. "Die Gewissheit, dass der eigene Job sicher ist und höhere Löhnen winken, führt dazu, dass beim Verbraucher das Geld locker sitzt", so Wansleben.

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