Technische Defekte sollen in den USA bislang 34Todesopfer gefordert haben.

US-Gewerkschaftschef James Hoffa sagt: „Toyota ist eine Gefahr für Amerika“.
US-Gewerkschaftschef James Hoffa sagt: „Toyota ist eine Gefahr für Amerika“.

US-Gewerkschaftschef James Hoffa sagt: „Toyota ist eine Gefahr für Amerika“.

dpa

US-Gewerkschaftschef James Hoffa sagt: „Toyota ist eine Gefahr für Amerika“.

Torrance. Die Lage für den Autobauer Toyota wird immer ungemütlicher. Fast täglich gibt es neue Berichte über Unfälle wegen klemmender Gaspedale, rutschender Fußmatten oder aussetzender Bremsen. 34 Menschen sollen wegen der Defekte ihr Leben verloren haben, viele weitere verletzt worden sein. Auf Toyota rollt eine Klagewelle ungeheuren Ausmaßes zu.

Im Fernsehen werben US-Anwälte verstärkt um Klienten. "Sollten Sie durch einen Autounfall geschädigt worden sein, wenden Sie sich vertrauensvoll an uns", laut die Botschaft, vorgetragen von ergrauten Herren in dunklen Anzügen, die hinter Schreibtischen aus dunkler Eiche sitzen. Die Juristen wittern das große Geschäft, denn plötzlich erscheint jeder Unfall, an dem ein Toyota beteiligt ist, in einem ganz neuen Licht.

US-Anwälte bereiten Sammelklagen vor

Die öffentliche Aufmerksamkeit ist in den USA besonders ausgeprägt, denn der Großteil der 8,5 Millionen gefährdeten Autos fährt auf den Straßen des riesigen Landes. Toyota hat dort 2009 mehr Fahrzeuge verkauft als die Platzhirsche Ford oder Chrysler. Die Japaner genossen einen hervorragenden Ruf bei Sicherheit und Zuverlässigkeit. Doch das ist Geschichte.

Bei der US-Behörde für Straßensicherheit stapeln sich die Beschwerden über Probleme mit Toyota-Autos. Allein in den vergangenen drei Wochen berichteten Bürger über 13 Tote, die sie mit der Pannenserie in Verbindung bringen. Die Behörde geht den Hinweisen nach. Wie im Fall von Jacquelyn Donoghue aus der Kleinstadt Holdrege in Nebraska.

Die Krankenschwester (67) hat nach Angaben ihrer Anwälte kurz vor Weihnachten durch einen Unfall mit einem Prius ihren Mann verloren, sie selbst wurde schwer verletzt. Die Juristen werfen Toyota vor, dass die Elektronik des Hybridautos verrückt spielte, der Wagen stark beschleunigte und in einen Geländewagen raste.

Die gleiche Kanzlei vertritt auch mehrere andere Fahrer gegen Toyota. Sammelklagen sind in den USA ein gefürchtetes Instrument, die Summen gehen schnell in die Millionen. Toyota kalkuliert mit umgerechnet bis zu 1,4 Milliarden Euro an Kosten für den Rückruf und die Rückgänge bei den Verkäufen.

Die Klagen sind da noch nicht mit eingerechnet. Neben Unfallopfern fordern auch Toyota-Besitzer, Händler und Investoren Wiedergutmachung. Der Gesamtschaden lässt sich kaum beziffern. Klar ist nur: Viele Unfallopfer wollen sich nicht mit Rabatten beim Kauf eines neuen Autos abspeisen lassen. Sie wollen Geld sehen.

Unterstützung kommt aus Washington. Ab nächster Woche muss sich Toyota vor Ausschüssen des US-Kongresses verantworten. Die Abgeordneten wollen klären, seit wann Toyota von den Problemen wusste und wie der Konzern darauf reagiert hat. Das dürfte auch die Schlüsselfrage bei den Zivilverfahren sein.

Dabei könnte den Japanern ein Detail aus Europa zum Verhängnis werden: Die hiesige Tochterfirma hat eingeräumt, schon 2008 habe es mehrere Kundenbeschwerden über klemmende Gaspedale gegeben. 2009 sei daraufhin das Design bei der Produktion geändert worden. In den USA indes liefen die Autos bis zum großen Knall vor einem Monat mit dem Problempedal vom Band.

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