München (dpa) - Die Deutsche Bank wird noch etliche Monate auf die Entscheidung über die Höhe des Schadenersatzes für die Erben von Leo Kirch warten müssen.

Wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2014 dürfte klar sein, wie viel Geld die Bank auf den Tisch legen muss. Das Oberlandesgericht München (OLG) hatte das Geldhaus im Dezember 2012 zu Schadenersatz für die Pleite von Kirchs Medienkonzern 2002 verurteilt, die Höhe aber offen gelassen. Am Freitag bestimmte das OLG den Gutachter, der helfen soll, die Schadenshöhe zu bestimmen.

Auf Lars Franken von der Essener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft IVC Independent Valuation & Consulting wartet nun eine Mammutaufgabe. Er soll vor allem klären, wie hoch der Marktwert der von Kirch gehaltenen ProSiebenSat.1-Stammaktien war, die der Insolvenzverwalter nach der Pleite des Medienimperiums verkaufen musste.

Zudem soll er klären, wie hoch der Abschlag gewesen sein dürfte, den Kirch angesichts seiner Lage bei dem Verkauf hinnehmen musste. Auf der Kirch-Seite schätzt man den Schaden auf fast 1,5 Milliarden Euro.

Bis zum 2. November hat Franken zunächst Zeit, die vom Gericht bereitgelegten Akten durchzusehen, vor allem um festzustellen, ob das Material ausreichend ist. Danach soll der Gutachter innerhalb von acht Monaten sein Gutachten fertigstellen.

Damit er beginnen kann, muss die Kirch-Seite allerdings dem Gericht bis Ende Juli zunächst einen Vorschuss für das Gutachten überweisen: 250 000 Euro. Damit geht der seit mehr als zehn Jahren tobende Streit in einer weitere Runde. Der 2011 verstorbene Leo Kirch hatte zeitlebens die Bank für den Zusammenbruch seines Konzerns verantwortlich gemacht.

Wochen vor der Pleite 2002 hatte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit Kirchs infrage gestellt. Kirch überzog die Bank danach mit Prozessen. Vor dem OLG München gelang mit dem Urteil vom Dezember ein wichtiger Etappensieg.

Ob der Bestand hat, ist allerdings offen: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bislang nicht über eine Beschwerde der Bank gegen die Nichtzulassung einer Revision gegen das Urteil entschieden. Auch das kann noch Monate in Anspruch nehmen. Ein weiterer Prozess ist zudem beim OLG anhängig, dazu kommen noch elf weitere Verfahren.

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