Emirat bestellt für 17 Milliarden Infrastruktur. Chancen auch für Hochtief und Siemens.

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Verkehrsminister Peter Ramsauer auf einer Presskonferenz in Doha.

Verkehrsminister Peter Ramsauer auf einer Presskonferenz in Doha.

dpa

Verkehrsminister Peter Ramsauer auf einer Presskonferenz in Doha.

Berlin/Doha. Die Bahn bekommt in der Wirtschaftsflaute Rückenwind aus der Wüste. Im Emirat Katar am Persischen Golf sollen Experten des deutschen Konzerns ein neues Schienensystem mitplanen und ins Rollen bringen. Investitionssumme: stolze 17 Milliarden Euro.

Nur allzu gern flog der neue Bahnchef Rüdiger Grube mit dem neuen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in die Hauptstadt Doha, um am Sonntag den Start eines Gemeinschaftsunternehmens zu besiegeln.

Die Reisepläne waren zuvor gezielt gestreut worden. Neben der Co-Regie beim Aufbau des Netzes verspricht sich der bundeseigene Verkehrsriese eine gute Position für lukrative Folgegeschäfte als Betreiber.

Und auch deutsche Bau- und Technikfirmen könnten bei Aufträgen mitmischen. Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn, der das Projekt noch eingefädelt hatte, hatte gesagt, dass für den Damm nach Bahrain der deutsche Baukonzern Hochtief in Frage käme. Siemens könnte zum Lieferanten für die Züge werden.

Die Erwartungen an das "ehrgeizige Infrastrukturprojekt" sind hoch, wie auch Grube sagte. Denn in den kommenden Jahren soll ein komplexes System aus Nah- und Fernstrecken für Güterwaggons und Personenzüge aus dem Wüstensand emporwachsen.

Vorgesehen sind ein U- Bahn-Netz für Doha mit 98 Stationen und eine 180 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse nach Bahrain - ausgelegt für das Spitzentempo 350. Auf einer 100 Kilometer langen Verbindung nach Saudi-Arabien sollen Züge bis zu 200 Stundenkilometer schnell fahren, dazu kommen weitere 325 Kilometer Gleise vor allem für den Güterverkehr.

Prestigeprojekt soll Werbung in der Region machen

Die Bauarbeiten in dem Emirat, das ungefähr halb so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern, soll eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft koordinieren. An der "Qatar Railway Development Company" hält die Bahntochter DB International 49 Prozent der Anteile. Das Planungsbudget summiert sich auf 700 Millionen Euro. Dabei sollen die Deutschen zwei der vier Geschäftsführer stellen, darunter in den ersten vier Jahren den Spitzenmann.

Zunächst nehmen 50 Bahner die Arbeit im Wüstenstaat auf. Die Experten aus Germany, die auch schon für eine Flughafenanbindung in Polen oder den Aufbau einer Güterbahn in der Mongolei engagiert worden sind, stehen unter besonderem Erfolgsdruck - das Prestigeprojekt soll zum Türöffner in der Region werden.

In Katar rechnen sich die Bahnmanager nun beste Chancen aus, später auch den Zuschlag für den Betrieb der Strecken zu erhalten. Dies könnte regelmäßige Umsätze in Milliardenhöhe hereinbringen und zugleich anschauliche Werbung in eigener Sache machen. Denn auf der arabischen Halbinsel dürften in den nächsten beiden Jahrzehnten einige Hundert Milliarden in neue Eisenbahnstrecken investiert werden, wie Experten erwarten.

Neu-Minister Ramsauer äußerte sich bei seiner ersten Auslandsreise denn auch optimistisch, dass andere deutsche Unternehmen in Katar ebenfalls profitieren könnten. .

Der Bahn, der die globale Flaute vor allem bei der Fracht zu schaffen macht, kommt das Wüstenprojekt jedenfalls äußerst recht - auch wenn Kritiker monieren, sie solle sich aufs Kerngeschäft mit Zügen in Deutschland und Europa konzentrieren. "Uns hilft ein solches Engagement gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Arbeitsplätze auch im Inland zu sichern", so Grube.

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