Studie sieht 125 000 Arbeitsplätze bedroht. Gewerkschaft kritisiert Entwicklung scharf. Warentest sieht Fortschritte bei Bankberatung.

Banken - Skyline von Frankfurt am Abend

Frank Rumpenhorst

Düsseldorf. Das Geldgewerbe in Deutschland steht vor einem radikalen Wandel: Jeder dritten Filiale droht das Aus, weil die Kunden ihre Bankgeschäfte zunehmend im Internet erledigen. Nach einer Studie der Beratungsfirma Bain & Company sollte die Branche von derzeit noch 30 800 Standorten mit Mitarbeitern rund 11 000 schließen. Notwendig sei dabei der Abbau von 125 000 Arbeitsplätzen. Bis zu 115 000 weitere Arbeitsplätze können nach Bain-Einschätzung an Dienstleister ausgelagert werden.

„Ich fürchte, dass die Leute von Bain recht haben, Filialen werden geschlossen werden“, sagt Mark Roach von der Gewerkschaft Verdi unserer Zeitung. Er hält dies für falsch: „Anders als von Bain behauptet, sind die Filialen für die Banken aber nicht primär Kostenfaktoren, sondern die Grundlage für ertragreiche Kundenbeziehungen.“ – Der frühere Manager der Deutschen Bank, Ulrich Cartellieri, hatte in den 1990er Jahren im Zusammenhang mit Filialen sogar vom „Mühlstein am Hals der Banken“ gesprochen.

Verdi: Anbieter mit breitem Filialnetz arbeiten profitabel

Roach verweist auf Zahlen der Bundesbank zur Ertragssituation im Geldgewerbe, erschienen im Monatsbericht der Bundesbank von September 2015. Demnach arbeiten insbesondere Anbieter mit breitem Filialnetz sehr profitabel. Dies gilt für Sparkassen und noch stärker für Genossenschaftsbanken. Sparkassen erwirtschaften demnach im Schnitt einen Zinsüberschuss von 2,09 Prozent, Genossenschaftsbanken liegen mit 2,21 Prozent noch besser, während sich die Großbanken mit 0,77 Prozent begnügen müssen.

„Nicht trotz, sondern wegen ihrer Kundennähe und Filialdichte sind sie in der Lage, von ihren Kunden Konditionen zu verlangen, die es ihnen möglich machen,Privatkundenkundengeschäft und Mittelstandsbanking profitabel zu machen“, so Roach. Das Null-Euro-Konto müssten solche Banken anbieten, die dem Kunden weniger zu bieten hätten.

Stiftung Warentest hält Beratung von drei Instituten für „gut“

Stiftung Warentest hat unterdessen bei der Bankberatung deutliche Fortschritte festgestellt. Erstmals erhielten drei Institute das Qualitätsurteil „gut“: die Frankfurter Volksbank, die Sparda-Bank Berlin und die Nassauische Sparkasse. Fiel das Zeugnis für die Branche vor fünf Jahren noch „jämmerlich“ aus, bescheinigt die Stiftung den Instituten gelernt zu haben, die finanzielle Situation eines Kunden und dessen Risikoneigung richtig zu erfassen.

Am dichtesten ist in Deutschland das Filialnetz der insgesamt 416 Sparkassen. Sie verfügen über 12 350 Geschäftsstellen, die mit Mitarbeitern besetzt sind. Die 1047 Genossenschaftsbanken bieten ihren Kunden noch etwa 11 280 Zweigstellen an. Die Großbanken kommen zusammen auf etwa 7400 Standorte.

Die Prüfer suchten als Neukunden Filialen von 23 Geldhäusern auf und trugen bei 160 Beratungsgesprächen stets das gleiche Anliegen vor: Ich möchte 45 000 Euro zehn Jahre lang anlegen und bin bereit, einen Teil davon mit Risiko anzulegen, möchte aber bei Bedarf schnell an mein Geld. Als „gut“ wurden von den Prüfern Empfehlungen bewertet, die Bundesanleihen oder Sparbriefe mit riskanteren Anlageformen wie Aktienfonds jeweils zur Hälfte mischten.

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