Ministerpräsident Shinzo Abe. Die Handelsbilanz Japans steckt seit 26 Monaten in den roten Zahlen. Foto: Franck Robichon
Ministerpräsident Shinzo Abe. Die Handelsbilanz Japans steckt seit 26 Monaten in den roten Zahlen. Foto: Franck Robichon

Ministerpräsident Shinzo Abe. Die Handelsbilanz Japans steckt seit 26 Monaten in den roten Zahlen. Foto: Franck Robichon

dpa

Ministerpräsident Shinzo Abe. Die Handelsbilanz Japans steckt seit 26 Monaten in den roten Zahlen. Foto: Franck Robichon

Tokio (dpa) - Japan hat im August erneut ein Handelsdefizit verbucht. Der Fehlbetrag belief sich auf 948,5 Milliarden Yen (6,8 Mrd Euro), wie die Regierung in Tokio am Donnerstag auf Basis vorläufiger Daten bekanntgab.

Immerhin verringerte sich das Defizit im Außenhandel jedoch im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,4 Prozent.

Dies lag vor allem am geringeren Stromverbrauch von Klimaanlagen wegen der relativ niedrigen Sommertemperaturen, wodurch Japan weniger Öl importieren musste. Die Exporte sanken erstmals seit zwei Monaten, und zwar um 1,3 Prozent. Ökonomen hatten aber mit einem deutlicheren Rückgang gerechnet. Die Importe nahmen um 1,5 Prozent ab. Die Handelsbilanz der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt steckt seit nunmehr 26 Monaten in den roten Zahlen - die längste Durststrecke seit Beginn der Erhebung solcher Daten 1979.

Auch andere wenig erfreuliche Zahlen hatten in jüngster Zeit deutlich gemacht, vor welchen Herausforderungen Ministerpräsident Shinzo Abe weiterhin steht. Er will mit seinem «Abenomics» genannten Ansatz - bestehend aus einer radikalen Lockerung der Geldpolitik, enormen Konjunkturpaketen und Strukturreformen - Japan zu neuer Blüte verhelfen. Doch trotz des im Zuge dieser Politik gedrückten Außenwerts des Yen kommt der Exportmotor noch nicht richtig in Gang. Zum Dollar sank der Yen auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren.

Nach kürzlich korrigierten Daten der Regierung war Japans Wirtschaft zwischen April und Juni in Folge einer Anhebung der Verbrauchssteuer so stark geschrumpft wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank um eine hochgerechnete Jahresrate von real 7,1 Prozent und brach damit noch stärker als erwartet ein. Zunächst war ein Rückgang um 6,8 Prozent berechnet worden.

Die Unternehmensinvestitionen gingen im Vergleich zum Vorquartal um 5,1 und nicht wie zunächst angenommen um 2,5 Prozent zurück. Hinzu kommt, dass die Ausgaben der privaten Haushalte in den vier Monaten seit April gesunken sind und die Industrieproduktion schwächelt.

Das signalisiert nach Auffassung von Ökonomen, dass die Unternehmen noch unsicher sind, ob Abes Programm langfristig tatsächlich zu einem selbsttragenden Wachstum führt. Die jüngsten Daten deuten an, dass die nicht zuletzt durch den schwächeren Yen gestiegenen Firmenprofite bisher nicht die Kaufkraft der Bürger erhöhen. Der Chef des Wirtschaftsdachverbandes Keidanren, Sadayuki Sakakibara, forderte die Regierung am Donnerstag auf, die Steuern für Firmen zu senken, damit diese die Löhne und Gehälter der Beschäftigten anheben könnten.

In Tokioter Marktkreisen wird nun bereits über eine mögliche weitere Lockerung der Geldpolitik im Herbst sowie über neue Konjunkturspritzen spekuliert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat derweil ihre Prognose für Japans Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 0,9 Prozent verringert. Ein Problem ist, dass auch die Aussichten für wichtige Handelspartner wie die USA und die Eurozone nicht sehr rosig sind. Vor diesem Hintergrund sind auch Japans Exportaussichten gering.

Im Handel mit den USA sanken die japanischen Ausfuhren im August um 4,4 Prozent, während die Einfuhren um 10,7 Prozent zulegten. Insgesamt verringerte sich der Handelsüberschuss mit den USA um 22 Prozent auf 385,5 Milliarden Yen. Mit den Staaten der EU verzeichnete Japan ein Handelsdefizit von 34,5 Milliarden Yen. Während die Importe aus China um 5,3 Prozent sanken, fielen die Exporte um 0,2 Prozent - zum ersten Mal seit 17 Monaten, wie die Regierung mitteilte.

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