BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter kritisiert Vorlage zur Lohnangleichung.

Steffen Kampeter hält nichts von dem neuen Gesetz.
Steffen Kampeter hält nichts von dem neuen Gesetz.

Steffen Kampeter hält nichts von dem neuen Gesetz.

dpa

Steffen Kampeter hält nichts von dem neuen Gesetz.

Berlin.  Der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zum Abbau von Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern stößt in der Wirtschaft kaum auf Gegenliebe. Warum, erklärt der der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondenten Stefan Vetter:

F: Herr Kampeter, schon seit Jahren ist die Wirtschaft mit dem Vorwurf der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern konfrontiert. Nun soll ein Gesetz Abhilfe schaffen. Ist das nicht ein Armutszeugnis für die Unternehmen?

A: Die Tarifvertragsparteien, Arbeitgeber und Gewerkschaften, sorgen dafür, dass die Beschäftigten entsprechend ihrer Fähigkeit und Qualifikation bezahlt werden und nicht nach Geschlecht oder Herkunft. Deshalb teilen wir auch das Anliegen der Bundesregierung für eine faire Bezahlung aller Beschäftigten.

F: Aber die Wirtschaft hat immer wieder Front gegen eine gesetzliche Lösung gemacht.

A: Wir sind für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Aber das muss der Gesetzgeber nicht regeln. Was dabei herauskommt, wenn er es trotzdem versucht, sehen wir ja: Mehr Bürokratie. Die beste Gewähr für eine faire Bezahlung in den Betrieben bieten die Tarifvertragsparteien. Insofern ist das Gesetz von Ministerin Schwesig entbehrlich. Immerhin konnten wir hier den Schaden begrenzen, indem wir in den Gesprächen auf die Auswirkung des Gesetzes in der betrieblichen Praxis hingewiesen haben. So wurde zum Beispiel die Verpflichtung zu betrieblichen Prüfverfahren gegenüber der ursprünglichen Vorlage abgemildert. Aber auch ein weniger bürokratisches Gesetz bleibt ein bürokratisches Gesetz.

F: Selbst in gleichen Berufen und bei gleicher Qualifikation verdienen Frauen laut Statistik im Schnitt sieben Prozent weniger als Männer. Wie erklären Sie sich das?

A: Es gibt eine Vielzahl von Daten zu diesem Thema. Deshalb bezweifle ich, dass sich das Problem durch Zahlenspielereien lösen lässt. Schon angesichts der demografischen Entwicklung brauchen wir händeringend alle Talente in den Unternehmen, unabhängig von Geschlecht oder Alter. Aus betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit spiegelt sich das auch in einer fairen Bezahlung wider.

F: Sie meinen, die Sache erledigt sich quasi von selbst?

A: Es gibt doch schon seit zehn Jahren das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Darin sind Benachteiligungen aus Gründen des Geschlechts erfasst. Es gibt aber generell geeignetere Mittel, die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern in den Unternehmen zu verbessern, als irgendwelche Paragraphen.

F: Welche sind das?

A: Dazu zählt unter anderem eine bessere Berufsorientierung. Warum besteht das Personal beispielsweise in den Kitas zu 90 Prozent aus Frauen? Warum arbeiten nicht mehr Frauen in technischen Berufen? Hier müssen wir tradierte Rollenbilder aufbrechen. Vor allen Dingen brauchen wir aber eine bessere Infrastruktur für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere einen deutlich stärkeren Ausbau der Ganztags-Kinderbetreuung.

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