Hamburger Hafenbetriebe
Deutschland steht wegen seiner überragenden außenwirtschaftlichen Stärke in der Kritik. Foto: Marcus Brandt

Deutschland steht wegen seiner überragenden außenwirtschaftlichen Stärke in der Kritik. Foto: Marcus Brandt

dpa

Deutschland steht wegen seiner überragenden außenwirtschaftlichen Stärke in der Kritik. Foto: Marcus Brandt

Berlin/Essen (dpa) - Deutschland steht aus Sicht von Konjunkturforschern vor einem kräftigen Aufschwung bis mindestens ins Jahr 2015.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet schon für 2014 mittlerweile mit 1,8 Prozent Wachstum - das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) mit 1,9 Prozent.

Für 2015 erwarten beide Institute nach ihren am Mittwoch veröffentlichten Prognosen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der größten europäischen Volkswirtschaft sogar um 2,1 Prozent anzieht.

2013 war Deutschland dank der Konsumfreude der Verbraucher mit 0,4 Prozent inmitten der kriselnden Eurozone vor Schlimmerem bewahrt. Unterdessen ist die Zahl der Firmenpleiten dank guter Konjunktur auf den niedrigsten Stand seit 1996 gesunken.

Profitieren wird die deutsche Wirtschaft den Prognosen zufolge vor allem von zwei Faktoren: Der Lage am Arbeitsmarkt und steigenden Investitionen der Unternehmen.

Die Rekordbeschäftigung, die vergleichsweise niedrige Teuerung und spürbare Lohnerhöhungen dürften den Konsum weiter anregen. Die ohnehin gute Arbeitsmarktlage wird sich demnach weiter verbessern - allerdings nach den Prognosen mit gemindertem Tempo.

DIW und RWI weisen darauf hin, dass die Einführung eines allgemeinen Mindestlohnes die Dynamik bremsen dürfte. Da der Mindestlohn, so argumentiert das RWI, die Arbeitskosten erhöhe, seien die Erfolge der Arbeitsmarktreformen «erheblich gefährdet». DIW-Konjunkturexperte Ferdinand Fichtner schätzt, dass der Mindestlohn zum Verlust von rund 100 000 Arbeitsplätzen führen werde. «Wir nehmen an, etwa drei Prozent der Betroffenen werden ihren Job verlieren.»

Außerdem dürften sich die Investitionen dem DIW und dem RWI zufolge beleben, auch weil der Export von der allmählichen Erholung des übrigen Euroraumes und der robusten Weltkonjunktur profitiert. Fichtner wies allerdings darauf hin, dass sich die Investitionen in den vergangenen beiden Jahren sehr schwach entwickelt hätten und sprach daher von einer Verbesserung «auf sehr niedrigem Niveau».

Beide Institute weisen ausdrücklich daraufhin, dass die weltweite konjunkturelle Erholung diesmal vor allem von den etablierten Industrieländern angekurbelt wird - während nach der tiefen weltweiten Rezession 2009 vor allem die starke Nachfrage aus Schwellenländern wichtige Impulse lieferte.

DIW-Berechnungen zufolge dürfte der Streit zwischen Brüssel und Berlin um die hohen deutschen Exportüberschüsse auch in den kommenden Jahren weitere Nahrung erhalten. Deutschland steht wegen seiner überragenden außenwirtschaftlichen Stärke - gemessen an der Leistungsbilanz, die stark vom Handel geprägt ist - in der Kritik.

Der europäische Referenzwert für einen maximal akzeptablen Leistungsbilanzüberschuss beträgt 6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Deutschland lag mit mehr als sieben Prozent zuletzt erneut über dieser Warnschwelle. Das DIW geht nun davon aus, dass dieser Wert 2014 und 1015 sogar bei 7,8 Prozent und selbst 2018 noch immer über 7 Prozent liegen wird.

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer