Die Drogeriekette soll mit einem hartem Sparkurs saniert werden. Konzept bis Ende März.

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Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sieht eine Grundlage, um Schlecker auf Kurs zu bringen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sieht eine Grundlage, um Schlecker auf Kurs zu bringen.

dpa

Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sieht eine Grundlage, um Schlecker auf Kurs zu bringen.

Ehingen. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hält eine Sanierung der Drogeriekette für möglich. Es müsse zwar noch mit Arbeitnehmern, Vermietern und Lieferanten verhandelt werden.

„Aber wir sind doch alle der Meinung, dass wir die Voraussetzungen geschaffen haben, dass Schlecker diese Zukunft hat“, sagte Geiwitz am Donnerstag. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi brachte zur Schlecker-Rettung eine finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter ins Gespräch.

Kommenden Dienstag starten die Gespräche mit der Gewerkschaft

Der Insolvenzverwalter hatte drastische Einschnitte beim Konzern aus dem schwäbischen Ehingen angekündigt. Er peilt an, bis Ende März das Sanierungskonzept – inklusive des Stellenabbaus und der Filialschließungen – geregelt zu haben.

Der Verdi-Fachbereichsleiter Handel in Baden-Württemberg, Bernhard Franke, sagte in Stuttgart, es müsse auch über ungewöhnliche Wege nachgedacht werden. Beispielsweise darüber, welchen Beitrag die Mitarbeiter leisten könnten.

Es gehe um eine Umwandlung von tariflichen Ansprüchen in eine Kapitalbeteiligung. Franke könnte sich eine Genossenschaft vorstellen, die sich bei einer neuen Schlecker-Gesellschaft engagieren könnte.

Am kommenden Dienstag starten in Ehingen bei Ulm die Gespräche zwischen der Gewerkschaft und dem vorläufigen Insolvenzverwalter über die Pläne für den Personalabbau, berichtete Franke. Er forderte erneut eine starke Unterstützung der Politik in dem Insolvenzfall. Der Fall habe eine „sozialpolitische Dimension“ die es rechtfertige, dass der Staat unterstützend eingreife.

Experte bemängelt eine falsche Sortiments- und Preispolitik

Der geplante Einschnitt zeigt nicht nur, wie dramatisch die Lage der insolventen Drogeriekette wirklich ist. Sondern er bedeutet auch den Abschied von einer Strategie. Sie setzte allein auf den Ausbau des Filialnetzes und günstige Preise, wie es Insolvenzverwalter Geiwitz beschreibt.

Da waren die einfachen, kleinen Läden – abgesehen von der Zahl an später eingeführten Schlecker-XL-Filialen. Verkauft wurde ein durchschnittliches Markensortiment sowie einige AS-Eigenprodukte. Branchenexperten wie Thomas Roeb von Hochschule Rhein-Sieg bemängeln seit Jahren eine falsche Sortiments- und Preispolitik.

Der Erfolgsgarant war aus Roebs Sicht immer, dass Schlecker da präsent war, wo sich die Filiale für dm oder Rossmann nicht lohnte. Doch sind gerade solche Märkte nicht besonders umsatzstark – und zum anderen rüsteten auch reguläre Supermärkte ihre Drogeriesortimente immer weiter auf, so dass sich der Gang zu Schlecker um die Ecke nicht unbedingt lohnte.

Was für den Kaufmann Schlecker zudem immer positiv war, die fehlende Abhängigkeit von Bankkrediten, hilft nun nicht weiter. Denn statt in den vergangenen Jahren eine andere Finanzierung zu suchen, um die Verluste im laufenden Geschäft abzufedern, steckten sowohl der Firmengründer als auch seine Kinder Meike und Lars privates Vermögen ins Unternehmen. Nun ist nichts mehr da.

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