Am nächsten Dienstag soll klar sein, ob ThyssenKrupp im Zuge seines Konzernumbaus die Edelstahlsparte an einen finnischen Konkurrenten verkauft. Die IG Metall bangt um tausende Jobs und fordert Garantien.

Protest bei ThyssenKrupp
Ein Feuer brennt am Freitag (27.01.2012) vor dem Bochumer Nirosta-Werk von ThyssenKrupp in einem Ölfass. Die Beschäftigten protestieren gegen geplanten Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Ein Feuer brennt am Freitag (27.01.2012) vor dem Bochumer Nirosta-Werk von ThyssenKrupp in einem Ölfass. Die Beschäftigten protestieren gegen geplanten Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Roland Weihrauch

Ein Feuer brennt am Freitag (27.01.2012) vor dem Bochumer Nirosta-Werk von ThyssenKrupp in einem Ölfass. Die Beschäftigten protestieren gegen geplanten Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu.

Essen/Bochum (dpa) - Im Ringen um den Verkauf der ThyssenKrupp- Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu steht eine Entscheidung bevor. Derzeit laufen unter Hochdruck Verhandlungen zwischen der Arbeitnehmerseite und den Unternehmen. Eine Entscheidung ist nach Angaben der Beteiligten noch nicht gefallen. Für kommende Woche hat ThyssenKrupp eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung mit dem Tagesordnungspunkt Inoxum einberufen. Die IG Metall betonte, dass es am Dienstag im Kontrollgremium zu einer Entscheidung kommen solle.

Das bestätigten allerdings weder ThyssenKrupp, noch Outokumpu und die IG Metall. Der finnische Edelstahl-Hersteller bestätigte zwar Verhandlungen zur Übernahme der ThyssenKrupp-Tochter Inoxum, schweigt sich aber über den Stand und seine konkreten Pläne aus. Die Finnen teilten in Helsinki mit, man stecke „in noch andauernden Verhandlungen mit Blick auf eine mögliche geschäftliche Kombination von Outokumpu mit Inoxum“. Die Inoxum-Beschäftigten befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Übernahme. 

„Von einer Lösung ist noch keine Spur zu sehen“, sagte Gewerkschaftssprecher Andreas Hügelow. Die Arbeitnehmerseite werde kein grünes Licht für einen Verkauf geben, bevor die Unternehmen nicht weitgehend Zusagen für Standorte und Arbeitsplätze gemacht hätten.

Die Arbeitnehmer verschärften am Freitag den Druck. Mehrere tausend Beschäftigte gingen in Bochum auf die Straße. Sie drohten auf einer Protestkundgebung mit Gegenmaßnahmen, sollten sich die Unternehmen über ihre Forderungen hinwegsetzen. Die IG Metall erklärte, im Konzern seien im vergangenen Jahr Zusagen für Investitionen und zum Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen vereinbart worden. Wenn der Aufsichtsrat grünes Licht für den Verkauf gebe, ohne dass Garantien von den Unternehmen abgegeben seien, wäre das Wortbruch.

ThyssenKrupp erklärte, es würden Gespräche geführt. Alle drei Optionen würden ergebnisoffen geprüft - ein Börsengang, eine Auslagerung und ein Verkauf. Im letzteren Fall will ThyssenKrupp maximal eine Minderheitsbeteiligung behalten.

Essen (dpa) - Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp bündelt seine Edelstahlgeschäfte unter dem Dach der Inoxum-Gruppe. Die Gesellschaft mit Werken in Deutschland, Mexiko, Italien, China und den USA beschäftigt nach Unternehmensangaben weltweit 11 700 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Zu Inoxum gehört ThyssenKrupp Nirosta mit Werken in Bochum, Krefeld und Benrath sowie ThyssenKrupp VDM (Hochleistungswerkstoffe) in Werdohl im Sauerland.

Neben der Produktion, der Verarbeitung und dem Vertrieb von sogenannten Edelstahl-Flachprodukten wie etwa Blechen beschäftigt sich das Unternehmen auch mit Werkstoffen wie Nickellegierungen, Titan oder Zirkonium. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010/2011 (30.9.) erwirtschaftete die Sparte einen Umsatz von rund 6,7 Milliarden Euro.

Auf dem Edelstahlmarkt hat das Unternehmen derzeit mit Überkapazitäten vor allem in Europa, aber auch in Asien zu kämpfen. ThyssenKrupp hatte Anfang Dezember auf „ungelöste Strukturprobleme am Edelstahlmarkt“ hingewiesen und eine Wertberichtigung von 800 Millionen Euro für die Sparte angekündigt. ThyssenKrupp hatte im vergangenen Mai angekündigt, sich bis Ende 2012 von seiner Edelstahl-Sparte trennen zu wollen.

Die Beschäftigten befürchten vor dem Hintergrund von Überkapazitäten in der Branche, dass bei einem Verkauf Betriebsteile geschlossen und in einer ersten Welle 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Sie beharren auf einem Erhalt der Flüssigphasen in den großen Werken Bochum und Krefeld und auf einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Ohne diese Zusagen von Outokumpu wollen die Arbeitnehmer nach dpa-Informationen im Aufsichtsrat einem Verkauf nicht zustimmen.

Langfristig fürchtet die IG Metall den Verlust von bis zu 2500 Arbeitsplätzen bei Inoxum. Etwa die Hälfte der weltweit rund 11 000 Mitarbeiter ist in Deutschland beschäftigt, der Großteil in Nordrhein-Westfalen.

Die Inoxum-Gruppe erwirtschaftete im zurückliegenden Geschäftsjahr 2010/2011 (30.9.) einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro und ist damit Weltmarktführer. Im vergangenen Geschäftsjahr nahm ThyssenKrupp aber eine Wertberichtigung von 800 Millionen Euro auf seine Edelstahlsparte vor. Dadurch wies diese einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 785 Millionen Euro aus. Bei einem Zusammenschluss käme das neue Unternehmen auf 18 000 Mitarbeiter und mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz.

ThyssenKrupp hatte im Mai 2011 angekündigt, sich innerhalb von ein bis eineinhalb Jahren von Inoxum zu trennen. Das sei ein strategischer Baustein zur Weiterentwicklung des Konzerns. „Ziele sind: die Verschuldung zu verringern, Wachstum zu ermöglichen, Erträge zu steigern und Werte zu schaffen“, erklärte ThyssenKrupp.

Konzernchef Heinrich Hiesinger hat sich vor allem einen Abbau der milliardenschweren Schulden und Kostensenkungen zum Ziel gesetzt. Er will bei ThyssenKrupp insbesondere die Technologiesparte ausbauen und im Gegenzug Geschäftsteile mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes verkaufen. Dickster Brocken dabei ist die Edelstahlsparte.

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