Verbraucherpreisindex für Deutschland
Der rasante Preisauftrieb bei Lebensmitteln hat Verbraucher in Deutschland 2013 einiges gekostet. Insgesamt ist die Inflationsrate aber so niedrig wie seit 2010 nicht mehr - vor allem, weil Sprit und Heizöl billiger wurden. Foto: Jens Büttner

Der rasante Preisauftrieb bei Lebensmitteln hat Verbraucher in Deutschland 2013 einiges gekostet. Insgesamt ist die Inflationsrate aber so niedrig wie seit 2010 nicht mehr - vor allem, weil Sprit und Heizöl billiger wurden. Foto: Jens Büttner

dpa

Der rasante Preisauftrieb bei Lebensmitteln hat Verbraucher in Deutschland 2013 einiges gekostet. Insgesamt ist die Inflationsrate aber so niedrig wie seit 2010 nicht mehr - vor allem, weil Sprit und Heizöl billiger wurden. Foto: Jens Büttner

Wiesbaden/Luxemburg (dpa) - Fallende Preise für Sprit und Heizöl haben die Inflationsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 2010 gedrückt.

Obwohl sich Lebensmittel deutlich verteuerten, stiegen die Verbraucherpreise 2013 insgesamt nur um 1,5 Prozent nach 2,0 und 2,1 Prozent in den beiden Vorjahren, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Behörde bestätigte damit eine erste Schätzung. Die Jahresteuerung liegt deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die Preisstabilität bei einer Rate von knapp unter zwei Prozent gewahrt sieht.

Im Dezember 2013 zog die Inflationsrate allerdings leicht an. Sie stieg von 1,3 auf 1,4 Prozent. Erneut belastete vor allem die Verteuerung von Nahrungsmitteln um 3,8 Prozent die Geldbeutel der Verbraucher. «Für 2013 wurden in allen Monaten und somit auch im Jahr Inflationsraten unterhalb von 2 Prozent ermittelt», betonten die Statistiker.

Derweil ging die Inflation im gesamten Euro-Währungsgebiet 2013 auf 1,4 Prozent zurück, nach 2,5 Prozent 2012. Die jährliche Rate betrug im Dezember allerdings nur noch 0,8 Prozent, das waren 0,1 Punkte weniger als noch im November, teilte die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Die andauernd niedrige Teuerung macht der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorgen - sie verfolgt ein Inflationsziel von knapp zwei Prozent. Niedrig-Inflation erhöht den Druck auf die Währungshüter, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern.

Bundesbankchef Jens Weidmann hält indes Sorgen sowohl vor stark steigenden als auch stark fallenden Verbraucherpreisen gegenwärtig für nicht gerechtfertigt. Das Risiko einer deutlich erhöhten Inflation sei gering, sagte Weidmann in Berlin. Auch eine Phase breit angelegter Deflation droht aus seiner Sicht nicht: «Auch dieses Gespenst löst sich bei nüchterner Betrachtung in Luft auf.»

Für die deutschen Verbraucher wirkten 2013 vor allem Nahrungsmittel preistreibend. Ihr Einfluss auf die Gesamtteuerung habe sich nochmals verstärkt, erklärten die Statistiker. Nahrung insgesamt verteuerte sich 2013 für die Verbraucher demnach spürbar um 4,4 Prozent gegenüber 2012. Der Preisauftrieb zog sich durch fast alle Nahrungsmittelbereiche. Besonders drastisch fiel er aber bei Kartoffeln (plus 28,7 Prozent), Äpfeln (+ 14,9) oder Butter (+ 16,1) aus. Aus Sicht von Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) müssen sich Verbraucher wegen der starken globalen Nachfrage weiter auf höhere Nahrungspreise einstellen. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: «Die Zeit ist vorbei, in der Lebensmittel die Inflationsbremse per se waren.»

Nach drei Jahren mit deutlichen Preisanstiegen verteuerte sich Energie 2013 hingegen nur um 1,4 Prozent. Das zog die Gesamtteuerung nach unten, wie die Statistiker erklärten: Ohne Berücksichtigung der Energiepreise lag die Jahresteuerungsrate 2013 bei 1,6 Prozent.

Dabei kletterten die Preise für Strom kräftig um 11,9 Prozent, was vor allem auf die im Zuge der Energiewende erhöhte EEG-Umlage zurückzuführen sei. An den Tankstellen kamen Autofahrer hingegen besser weg als zuletzt: Kraftstoffe waren 2013 um 3,4 Prozent billiger als 2012. Der ADAC trat aber bereits auf die Euphoriebremse: «Trotz der für die Autofahrer erfreulichen Entwicklung war 2013 das zweitteuerste Tankjahr aller Zeiten.» Leichtes Heizöl verbilligte sich 2013 sogar um 6,0 Prozent.

Erneut sanken 2013 auch die Preise für Geräte der Unterhaltungselektronik (- 5,9 Prozent) und Computer (- 7,8). Weil die Praxisgebühr abgeschafft wurde, purzelten die Preise für die ambulanten Gesundheitsdienstleistungen sogar um 12,2 Prozent. Das Ende der Studiengebühren in einigen Bundesländern verringerte die Kosten für Studium und Immatrikulationen um 18 Prozent. Die Nettokaltmiete stieg weniger schnell als die Gesamtteuerung (+ 1,3). Auffällig teurer wurden Glücksspiele (+ 14,3 Prozent) infolge der Preiserhöhung für die Spieleinsätze bei Lotto.

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