Infineon
Arbeit im sogenannten Reinraum bei Infineon.

Arbeit im sogenannten Reinraum bei Infineon.

dpa

Arbeit im sogenannten Reinraum bei Infineon.

München (dpa) - Der Halbleiterhersteller Infineon tankt nach einem unerwartet guten ersten Quartal weiter Selbstbewusstsein und schraubt seine Erwartungen für 2011 nach oben. «Die Zeit der schlechten Zahlen ist vorbei», sagte Vorstandschef Peter Bauer am Dienstag in München.

Nach Jahren mit teils herben Verlusten hatte der Dax-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr erstmals wieder mit Gewinnen geglänzt. Dank der brummenden Nachfrage aus der Industrie und von Autoherstellern lief es auch in den ersten drei Monaten des im Oktober begonnenen Geschäftsjahres weiter gut für die Münchner. Das soll so bleiben.

«Wir gehen davon aus, schneller als der Markt wachsen zu können, und erwarten ein weiteres Quartal mit Umsatzwachstum», sagte Bauer. Infineon rechnet nun mit einem Erlöswachstum um die 15 Prozent. Bisher war das Unternehmen von einem Plus von bis zu 10 Prozent ausgegangen. Davon profitieren auch die Mitarbeiter in Deutschland: Infineon zieht die vereinbarte Tariferhöhung um zwei Monate vor. An vielen Standorten arbeiten die Beschäftigten angesichts der vollen Auftragsbücher bereits an der Kapazitätsgrenze.

Auch deshalb will Infineon 150 Millionen Euro mehr investieren als bislang geplant und wird mit insgesamt 700 Millionen Euro mehr als doppelt so viel Geld für Investitionen ausgeben als im vergangenen Geschäftsjahr. Über zu wenig Liquidität können sich die Münchner nicht beklagen. Allein der Ende Januar abgeschlossene Verkauf der Handychipsparte Wireless Solutions (WLS) an den US-Branchenriesen Intel wird unter dem Strich einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in die Kassen spülen. Damit könnte der Konzern auch Zukäufe machen, aktuell sei aber keine Übernahme geplant, sagte Bauer. Infineon beobachte den Markt aber ununterbrochen.

Nach dem Verkauf von WLS konzentriert sich Infineon auf die verbliebenen Sparten Automotive, Industrie und Sicherheitschips. Dank der weltweit wachsenden Nachfrage legte Infineon zwischen Oktober und Dezember in nahezu allen Bereichen zu. Insgesamt sank der Umsatz im ersten Quartal verglichen mit dem Vorquartal zwar um 2 Prozent auf 922 Millionen Euro. Der Konzern führt den Rückgang aber vor allem auf Währungseffekte zurück. Unter dem Strich blieben 232 Millionen Euro, nach 390 Millionen Euro im Vorquartal. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen deutlich. Das wichtige Segmentergebnis, das Auskunft über das Kerngeschäft des Konzerns gibt, wuchs verglichen mit dem Schlussviertel 2010 um 4 Prozent auf 177 Millionen Euro.

«Wir sind heute besser aufgestellt als je zuvor», sagte Bauer. Er schreibt den Erfolg nicht nur dem wirtschaftlichen Aufschwung zu, sondern auch dem Umbau und der Schrumpfkur der vergangenen Jahre.

In der Vergangenheit hatte der 1999 von Siemens abgespaltene Konzern teils herbe Verluste eingefahren. Noch vor zwei Jahren stand Infineon am Rande des Ruins. Die spektakuläre Qimonda-Pleite im Januar 2009 kostete 12 000 Menschen den Job und riss die Konzernmutter beinahe mit in die Tiefe. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten die Münchner ohne das verkaufte Mobilfunkgeschäft rund 3,295 Milliarden Euro erlöst und wollen zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder eine Dividende ausschütten.

Im langjährigen Streit um Patente und Nutzungsrechte mit Qimonda hat Infineon unterdessen eine Klage eingereicht. Dabei soll festgestellt werden, dass die Nutzungsrechte von Infineon an Qimonda-Patenten weiterhin gültig sind. Der Qimonda- Insolvenzverwalter behauptet hingegen, diese Nutzungsrechte seien infolge der Insolvenz von Qimonda entfallen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer