Huber
Der 1. Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, setzt auf Beschäftigtenbefragungen. Foto: Frank Rumpenhorst

Der 1. Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, setzt auf Beschäftigtenbefragungen. Foto: Frank Rumpenhorst

dpa

Der 1. Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, setzt auf Beschäftigtenbefragungen. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Berlin (dpa) - Kindererziehung, Weiterbildung oder ein Pflegefall in der Familie: Viele Arbeitnehmer würden gerne vorübergehend weniger arbeiten. Bislang geht das nur einvernehmlich, doch die IG Metall denkt über tarifvertragliche Regelungen zum Thema nach.

Individuelle Arbeitszeitmodelle sollen nach dem Willen der IG Metall voraussichtlich in der kommenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie auf den Verhandlungstisch kommen. «Für unsere Kollegen wird das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Leben immer wichtiger», sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, der Tageszeitung «Welt» (Montag).

Bei der Beschäftigtenbefragung 2013 mit über 500 000 Teilnehmern sei auffallend häufig der Wunsch nach leicht abgesenkten Arbeitszeiten von 30 Stunden in der Woche geäußert worden, nach «reduzierter Vollzeit», berichtete die Gewerkschaft. Es müsse möglich sein, die Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren, etwa zur Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder zur Weiterbildung.

Es gehe nicht um eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, erläuterte die IG Metall. Die von Hofmann genannte Wochenarbeitszeit von 30 Stunden sei ein Beispiel für eine von vielen Arbeitnehmern angestrebte Wochenbeschäftigung, die aber als Vollzeit anerkannt werden müsse. Die Frage eines Lohnausgleichs sei noch offen.

Bundesfamilienminsterin Manuela Schwesig (SPD) steht dem Vorstoß aufgeschlossen gegenüber. Dieser zeige, wie wichtig die Debatte um familienfreundliche Arbeitszeiten sei. Väter und Mütter brauchten mehr Zeit für die Familie, wollten zugleich aber auch im Beruf weiterkommen, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Um die Diskussion voranzubringen, werde Schwesig mit Arbeitgebern und Gewerkschaften sprechen. Die Ministerin hatte jüngst eine 32-Stunden-Woche ohne große Lohneinbußen für junge Väter und Mütter ins Gespräch gebracht, war damit bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aber abgeblitzt.

Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, kritisierte Hofmanns Vorschlag in der «Rheinischen Post» (Dienstag) als «nicht zielführend». Der Fokus müsse eher auf einem besseren Angebot für Kinderbetreuung und dem Einsatz der vorhandenen flexiblen Arbeitszeitregelungen liegen, sagte Mallmann: «Nehmen Sie noch die Elternzeit dazu, haben wir dafür jede Menge Möglichkeiten. Wir brauchen also keine weiteren starren Regelungen, wie sie der IG Metall vorschweben.»

Gewerkschafter Hofmann erklärte am Montag in Frankfurt: «Die Flexibilitätsanforderungen von Beschäftigten und Unternehmen sind vielfältig, tatsächliche und gewünschte Arbeitszeiten weichen zum Teil voneinander ab. Das zentrale Ergebnis unsere Beschäftigtenbefragung ist aber: Flexibilität darf keine Einbahnstraße sein!» Eigene Gestaltungsmöglichkeiten zum Beispiel bei Pflegezeiten seien für die Beschäftigten zentral. Welche tariflichen Forderungen daraus abgeleitet würden, werde nun diskutiert.

Einer einvernehmlichen Arbeitszeitverkürzung stehe schon heute nichts im Wege und sei in vielen Betrieben tägliche Praxis, erklärte hingegen das arbeitgebernahe Institut der Wirtschaft (IW) in Köln. Der Gewerkschaft gehe es eher darum, einen Rechtsanspruch auf kürzere Arbeitszeiten beispielsweise für Eltern kleiner Kinder zu schaffen - womöglich mit Lohnausgleich. Dies könne kleine und mittlere Betriebe überfordern, wenn zugleich Zeitarbeit und Befristungen vom Gesetzgeber erschwert würden. Übertriebene Regulierungen könnten letztlich dazu führen, dass es für Firmen unattraktiv werde, Eltern überhaupt erst einzustellen.

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