Der spanische Konkurrent ACS hat die 30-Prozent-Hürde genommen. Die Übernahme ist kaum noch zu verhindern.

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Die Hochtief-Mitarbeiter (oben, v.l.) Ulrich Harting, Mike Scholl-Fonfara und Kenan Pustu sowie Frank Moelders, Karsten Weber und Behram Saral (unten v.l.) arbeiten derzeit in Düsseldorf und erfuhren gestern vom Durchbruch, den ACS im Übernahmekampf erzielt hat.

Die Hochtief-Mitarbeiter (oben, v.l.) Ulrich Harting, Mike Scholl-Fonfara und Kenan Pustu sowie Frank Moelders, Karsten Weber und Behram Saral (unten v.l.) arbeiten derzeit in Düsseldorf und erfuhren gestern vom Durchbruch, den ACS im Übernahmekampf erzielt hat.

dpa

Die Hochtief-Mitarbeiter (oben, v.l.) Ulrich Harting, Mike Scholl-Fonfara und Kenan Pustu sowie Frank Moelders, Karsten Weber und Behram Saral (unten v.l.) arbeiten derzeit in Düsseldorf und erfuhren gestern vom Durchbruch, den ACS im Übernahmekampf erzielt hat.

Essen. Erbittert haben sich Management und Belegschaft des größten deutschen Baukonzerns Hochtief gegen die Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS gewehrt. Vehement warnte der Betriebsrat vor einer Gefährdung der 11 000 deutschen Arbeitsplätze. Jetzt scheint die Niederlage für die Essener nahe. Hochtief steht mit dem Rücken zur Wand.

„Dann wird Pérez sein wahres Gesicht zeigen.“

Marc Tüngler, Aktionärsvertreter, über einen möglichen Showdown bei der Hochtief-Hauptversammlung.

ACS ist es mit seinem Angebot an die Hochtief-Aktionäre gelungen, die 30-Prozent-Schwelle beim größten deutschen Baukonzern zu überspringen. Damit scheint der Weg frei für eine Mehrheitsübernahme: ACS kann nun beliebig Aktien zukaufen.

Schon bei der Hauptversammlung am 12. Mai rechnen Beobachter mit einem „Showdown“: Schon mit dem jetzigen 30-Prozent-Aktienpaket im Rücken könnte ACS-Chef Florentino Pérez die Mehrheit der anwesenden Stimmen auf seine Seite bringen und damit Neuwahlen beim Aufsichtsrat durchsetzen. Denn meist sind nur etwas mehr als 60 Prozent der Stimmen bei Hochtief-Hauptversammlungen vertreten. „Dann wird Pérez sein wahres Gesicht zeigen“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Zwar wird der Erfolg des freiwilligen Übernahmeangebots wegen mehrerer laufender Fristen erst Anfang Februar endgültig feststehen. Doch nach Ansicht des Übernahmeexperten Alexander Thomas von der Kanzlei Mayrhofer und Partner kann sich ACS schon jetzt über einen wirtschaftlich und psychologisch wichtigen Sieg freuen.

Für den Durchbruch sorgte Hochtief-Großaktionär Southeastern. Der US-Fonds kündigte an, ACS zwei Millionen Aktien zur Verfügung stellen zu wollen. Von den 2,375 Millionen Aktien, die im Zuge des ACS-Angebots angeboten wurden, dürfte die Mehrheit von Southeastern stammen, hieß es gestern.

„Er scheint einen Masterplan zu haben.“

Marc Tüngler über ACS-Chef Florentino Pérez.

ACS-Chef Pérez kann seinen Hochtief-Anteil von 30,34 Prozent nun in aller Ruhe bis zur angepeilten Mehrheit ausbauen. Nach derzeitigem Börsenkurs würde ihn das knapp eine Milliarde Euro kosten.

Sollte ACS die Übernahme gelingen, ist die weitere Zukunft des Bauriesen ungewiss. Während ACS angekündigt hat, Hochtief weitgehend seine Eigenständigkeit lassen und zusammen das größte Bauunternehmen der westlichen Welt schmieden zu wollen, herrschen auf deutscher Seite Zweifel vor. Schon früh hatte der Hochtief-Betriebsrat vor einem massiven Arbeitsplatzabbau vor allem in Deutschland gewarnt.

Auch das Management des nahezu schuldenfreien deutschen Konzerns unter Führung von Herbert Lütkestratkötter hatte aus seiner Ablehnung der Offerte des hoch verschuldeten Konkurrenten kein Geheimnis gemacht. ACS-Chef Pérez ließ sich davon nicht abbringen: „Er scheint einen Masterplan zu haben“, sagt Tüngler.

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