Staaten sollen Quoten von Bauern aufkaufen dürfen. Das soll die Preise stabilisieren. Die EU arbeitet an einer Analyse der Geschäftsbeziehungen in der Milchbranche. Es geht darum, herauszufinden, weswegen die Erzeugerpreise massiv, die Preise im Supermarktregal aber nur minimal zurückgegangen sind.

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Auch am Donnerstag sprühten Bauern wieder aus Protest Milch auf ihre Felder.

Auch am Donnerstag sprühten Bauern wieder aus Protest Milch auf ihre Felder.

dpa

Auch am Donnerstag sprühten Bauern wieder aus Protest Milch auf ihre Felder.

Brüssel. Hoffnungszeichen für die Milchbauern: Die Erzeugerpreise bewegen sich - wenn auch nur zaghaft - erstmals seit Monaten nach oben. Butter, Milchpulver und Käse sind innerhalb eines Monats um vier bis acht Prozent teurer geworden, stellte EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel fest. Damit steigt die Chance, dass die Landwirte bald wieder auskömmliche Einnahmen erwirtschaften.

Noch ist es aber nicht so weit. Kaum ein Hof kann auskömmlich Milch produzieren, wenn er für einen Liter bei der Anlieferung in der Molkerei allenfalls 25 Cent erhält. Da immer mehr Höfe in Existenzprobleme geraten sind, kündigt Fischer Boel zusätzliche Nothilfen an.

So erlaubt sie nationale Finanzspritzen von maximal 15.000 Euro pro Bauer, um auf Liquiditätsengpässe zu reagieren. Zudem soll die Milchwirtschaft künftig zu jenen Branchen zählen, für die im Eiltempo Rettungspakete beschlossen werden dürfen.

Die Mitgliedsländer sollen auch die Möglichkeit erhalten, Quoten von Landwirten aufzukaufen, die den Sektor verlassen wollen. Diese Quoten sollen in die nationale Reserve kommen. Das soll die Produktion verringern und die Preise stabilisieren.

Die Macht der Supermärkte soll eingedämmt werden

Aus deutscher Sicht bedeutend sind daneben die langfristigen Ankündigungen. So will die EU das Verhältnis zwischen Milcherzeugern und Verarbeitern auf eine stabilere vertragliche Basis innerhalb eines Rechtsrahmens stellen, der fairen Wettbewerb sichert.

Die Vorschläge Fischer Boels zielen darauf ab, die Verhandlungsposition der Milchbauern zu stärken. So gibt es etwa in Deutschland gut 100.000 Milchbauern, die ihre Ware an 100 Molkereien liefern. Diese sehen sich in Preisverhandlungen der Verhandlungsmacht von fünf Einzelhandelsriesen wie Aldi oder Lidl ausgesetzt, die mit niedrigen Milchpreisen Werbung machen.

Die EU arbeitet an einer Analyse der Geschäftsbeziehungen in der Milchbranche. Es geht darum, herauszufinden, weswegen die Erzeugerpreise massiv, die Preise im Supermarktregal aber nur minimal zurückgegangen sind.

Die Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Der britische Europaabgeordnete James Nicholson sagte dazu: "Wir müssen die Macht der Supermärkte eindämmen."

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