Verbandspräsident Kentzler kündigt Initiative an, um frustrierten Akademikern neue Perspektiven zu geben.

Otto Kentzler ist Präsident des Handwerks.
Otto Kentzler ist Präsident des Handwerks.

Otto Kentzler ist Präsident des Handwerks.

Michael Kappeler

Otto Kentzler ist Präsident des Handwerks.

Düsseldorf. Das Handwerk wirbt verstärkt um Abiturienten und Studenten. „Im Handwerk bekommen sie eine klare Orientierung – und zwar nach oben. Gesellenbrief, Meisterbrief, Selbstständigkeit – Berufserfolg statt Studienfrust“, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler im Interview mit unserer Zeitung.

Kentzler bezeichnete den Trend zur Akademisierung als „fatal“. Die Hochschulen seien zu Massenbetrieben verkommen, rund ein Drittel der Studenten gäben frühzeitig ohne einen Abschluss auf. „Die Handwerkskammern haben begonnen, gezielt um diese enttäuschten Studenten zu werben“, sagte Kentzler. Motto dieser Initiativen sei „Berufserfolg statt Studienfrust“.

Scharfe Kritik am Bildungsniveau vieler Schulabgänger

Gleichzeitig übte der Handwerkspräsident Kritik an dem Bildungsniveau der Schulabgänger. „Hier ist seit Pisa nicht genug passiert. Viele Handwerksmeister nehmen das mittlerweile in ihrer Not selbst in die Hand und verpassen ihren Azubis Nachhilfestunden“, sagte Kentzler. Zudem engagierten die Betriebe häufig externe Ausbildungsbetreuer. Sonst sei vielfach nicht gewährleistet, dass die jungen Leute in der Berufsschule mitkämen. Angesichts der sinkenden Schülerzahlen rechnet Kentzler auch langfristig mit Engpässen bei Auszubildenden und Fachkräften.

Das Handwerk habe auch 2013 gute Konjunktur-Aussichten

Die Lage des Handwerks bezeichnete Kentzler als gut. Das Jahr 2011 sei sehr gut gewesen, das vergangene Jahr nur leicht schwächer. Das neue Jahr werde stabil sein, lediglich das Kfz-Gewerbe stehe vor schweren Zeiten. Red

Im nordrhein-westfälischen Handwerk arbeiten in rund 186 264 Betrieben mehr als eine Million Beschäftigte. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von 108,8 Milliarden Euro – mehr als andere Wirtschaftsbereiche.

Geboten werden rund 100 handwerkliche Ausbildungsberufe. Insgesamt stellt das Handwerk ein Drittel aller Ausbildungsplätze – mit steigender Tendenz, denn die Industrie fährt die Ausbildung eher zurück.

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