Ökonom Gustav Horn über die Krisen bei Opel und Thyssen-Krupp.

Interview
Gustav Horn ist gegen Staatshilfen für einzelne Branchen. (Archiv)

Gustav Horn ist gegen Staatshilfen für einzelne Branchen. (Archiv)

Peter Himsel

Gustav Horn ist gegen Staatshilfen für einzelne Branchen. (Archiv)

Berlin. Die Opel-Produktion in Bochum steht vor dem Aus, Thyssen-Krupp macht Milliardenverluste. Sind das Einzelfälle oder Vorboten einer Wirtschaftskrise? Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie, nimmt Stellung dazu.

Herr Horn, wie ökonomisch stark ist Deutschland noch?

Horn: Seit Jahresmitte ist unübersehbar, dass das Konjunkturklima in Deutschland rauer wird. Auch wenn es sich bei Opel und Thyssen-Krupp zum Teil um Management-Fehler handelt, so steckt die gesamte Exportindustrie derzeit in einer schwierigen Situation. Wenn auch sicher in unterschiedlichem Ausmaß.

Welche Bereiche sind gefährdet?

Horn: Nicht nur die Auto- und die Stahlbranche sind sehr exportorientiert. Dazu zählt sicher auch der Maschinenbau. Klar ist, dass die europäischen Krisenländer als Exportmärkte weitgehend ausfallen. Die Lieferungen dorthin gehen zum Teil dramatisch zurück. Mittlerweile befindet sich praktisch der gesamte Euro-Raum in einer Rezession. Dabei gehen noch immer etwa 40 Prozent der deutschen Güter dorthin. Das ist eine schwere Hypothek.

Nach den neuesten Daten sind die deutschen Exporte insgesamt noch leicht gestiegen.

Horn: Das stimmt. Deutschland kann im Unterschied zu den allermeisten Euro-Ländern auch immer noch ein leichtes Wachstum vorweisen. Das verdanken wir erstens einem relativ stabilen inländischen Verbrauch, weil sich die Einkommen spürbar erhöht haben, und zweitens der Tatsache, dass die deutsche Exportstruktur bis Asien und Amerika reicht. Das hat uns bislang gerettet.

Opel durfte sich auf Geheiß des Mutterkonzerns GM nur auf Europa konzentrieren. War das das Todesurteil für den Autobauer in Bochum?

Horn: Grundsätzlich gilt: Wenn sich ein exportorientiertes Unternehmen nur auf wenige oder gar einen Markt konzentriert, dann ist auch die Risikoanfälligkeit entsprechend höher. Opel bekommt das jetzt mit voller Wucht zu spüren, weil praktisch ganz Südeuropa in der Krise steckt.

Was kann die Bundesregierung zur Eindämmung der Krisen-Symptome tun?

Horn: Die zentrale Ursache der gegenwärtigen Schwäche liegt in Europa. Die Krise ist gewissermaßen hausgemacht. Es ist der Sparkurs in den Krisenländern, durch den es zu einem rasanten Einbruch der Nachfrage kam. Die Bundesregierung hat maßgeblich an der Etablierung dieses Kurses mitgewirkt.

Würden Sie staatliche Rettungshilfen für die deutsche Autobranche befürworten?

Horn: Wir brauchen keine Rettungspakete für einzelne Branchen. Notwendig ist eine Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage im Euro-Raum. Dann ergibt sich der Rest von selber.

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