Larry Page löst Eric Schmidt ab. Mitgründer Sergey Brin wird „Chef-Visionär“.

Extra frisch fotografiert für den Chefwechsel: Eric Schmidt (stehend), Larry Page (am Steuer) und Sergey Brin (auf dem Rücksitz).
Extra frisch fotografiert für den Chefwechsel: Eric Schmidt (stehend), Larry Page (am Steuer) und Sergey Brin (auf dem Rücksitz).

Extra frisch fotografiert für den Chefwechsel: Eric Schmidt (stehend), Larry Page (am Steuer) und Sergey Brin (auf dem Rücksitz).

dpa

Extra frisch fotografiert für den Chefwechsel: Eric Schmidt (stehend), Larry Page (am Steuer) und Sergey Brin (auf dem Rücksitz).

Mountain View. „Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig!“ – Mit dieser Botschaft, geschickt über den Kurznachrichtendienst Twitter, verkündete Google-Chef Eric Schmidt seinen Rückzug von der Konzernspitze. Im Wettbewerb mit Facebook, Apple und Microsoft will Firmen-Mitbegründer Larry Page nach zehn Jahren wieder das Steuer des weltgrößten Internet-Konzerns übernehmen. Sein Kompagnon Sergey Brin soll sich derweil um neue Produkte kümmern.

„Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig.“

Eric Schmidt, alter Google-Chef

„Keine Frage, Larry ist bereit, das Unternehmen zu führen“, sagte Schmidt. Der 55-jährige Manager wird Google als Chef des Verwaltungsrats künftig vor allem nach außen vertreten. In dieser Funktion ist er unter anderem für Kooperationen zuständig. Der bisherige Weg, Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sei angesichts der Größe des Konzerns zu kompliziert geworden, so Schmidt.

„Eric ist ein toller Firmenchef, und ich habe viel von ihm gelernt.“

Larry Page, neuer Google-Chef

Google meldete die Änderungen an der Spitzen der Börsenaufsichtsbehörde SEC. Dabei wurde bekannt, dass sich Schmidt auch von einem kleinen Teil seiner Google-Aktien trennen will. „Eric hat vor, 534 000 Aktien zu verkaufen“, heißt es in der Meldung an die SEC. Dies entspricht einem Wert von 334 Millionen Dollar.

„Eric ist ein toller Firmenchef, und ich habe viel von ihm gelernt“, sagte Page. Er habe Schmidt jeden Tag über die Schulter gucken können.

Das Geschäft blüht: Im Schlussquartal 2010 stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Das Unternehmen verdiente 2,5 Milliarden Dollar, 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum; im Gesamtjahr waren es 8,5 Milliarden Dollar. Doch Google kann das Geld gar nicht so schnell ausgeben, wie es hereinkommt. In der Kasse liegen 35 Milliarden Dollar.

„Sergey ist bis ins Mark ein Erfinder und Gründer.“

Eric Schmidt

Schiedsrichter: Wenn die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page sich die Köpfe heißgeredet hatten, musste Eric Schmidt (55) die Gemüter kühlen und den Streit schlichten. Im August 2001 hatten die beiden Uni-Absolventen den IT-Manager an Bord geholt. Schmidt ist Ingenieur der Elektrotechnik, Netzwerk-Spezialist und Software-Entwickler.

Idealbesetzung: Seine Kombination von technischem und betriebswirtschaftlichen Know-how und die Erfahrungen im Wettbewerb mit Microsoft machten Schmidt zur Idealbesetzung, als die Google-Gründer und ihre Risikokapitalgeber nach einem „Erwachsenen vom Dienst“ suchten. Er sollte dafür sorgen, dass im kreativen Chaos des Startup kommerziell verwertbare Dienste entstehen.
 

Werdegang: Larry Page (37) wurde in die Computer-Branche gewissermaßen hineingeboren. Seine Eltern lehrten Computerwissenschaft und Programmieren an der University of Michigan.

Erfindung: Page versuchte zwar auch alleine, Struktur in das Gewirr des Internets zu bringen. Die magische Formel, auf der das heutige Milliardengeschäft Google aufbaut, fand er jedoch erst zusammen mit Sergey Brin nach deren Begegnung 1995.
 

Privates: Der 17,5 Milliarden Dollar schwere Page gilt als medienscheu. Er investiert in Windkraft und Elektrofahrzeuge. Im Dezember 2007 heiratete er die Biologin Lucy Southworth auf der Privatinsel des britischen Milliardärs Richard Branson. Im Herbst 2010 wurde Page Vater.

Werdegang: Sergey Brin (37) kam im Alter von sechs Jahren als Sohn jüdischer Emigranten aus der damaligen Sowjetunion in die USA. Brin studierte an der Stanford Universität in Kalifornien Mathematik und Informatik.
 

Erfindung: Brin, dessen Vermögen auf 17,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, gilt als technologischer Kopf von Google – und als moralisches Gewissen. Seit Beginn war er die treibende Kraft bei der Entwicklung der Algorithmen für die damals einzigartige Suchtechnologie, die den Google-Erfolg begründete.


Privates: Der in Moskau geborene Brin ist seit 2007 mit der Biologin Anne Wojcicki verheiratet. Sie ist Mitbegründerin einer Biotechfirma, die sich auf Gentests für private Kunden spezialisiert hat

Google-Mitbegründer Sergey Brin tritt mit dem Führungswechsel in die zweite Reihe zurück. Er macht das, was ihm schon an der Uni am meisten lag: Er tüftelt an neuen Produkten. „Die Rolle passt perfekt zu ihm“, sagt Schmidt väterlich. „Sergey ist bis ins Mark ein Erfinder und Gründer.“

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