Das frühere Boom-Emirat mit den künstlichen Inseln hat offensichtlich Zahlungsprobleme.

Die ins Meer gebaute Palmeninsel aus der Luft (l.) und das abendliche Spektakel vor dem Palmen-Hotel Atlantis.
Die ins Meer gebaute Palmeninsel aus der Luft (l.) und das abendliche Spektakel vor dem Palmen-Hotel Atlantis.

Die ins Meer gebaute Palmeninsel aus der Luft (l.) und das abendliche Spektakel vor dem Palmen-Hotel Atlantis.

dpa

Die ins Meer gebaute Palmeninsel aus der Luft (l.) und das abendliche Spektakel vor dem Palmen-Hotel Atlantis.

Dubai/Istanbul. Mit spektakulären Projekten und einem brillanten Marketing war das Emirat Dubai in Rekordzeit von einem verschlafenen Nest zur feinsten arabischen Adresse für Immobilien- und Finanzgeschäfte aufgestiegen. Die künstlichen Inseln in Form einer Palme und der höchste Hochhausturm der Welt lenkten die Aufmerksamkeit der Investoren und die Missgunst arabischer Nachbarn auf das kleine Reich von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum. Doch jetzt ist die Party vorbei.

Den Staatsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals

In den ersten Monaten nach Beginn der Finanzkrise hatte sich die Führung des Landes noch bemüht, keine schlechten Nachrichten an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Jetzt gesteht sie mit einem Appell an die Gläubiger erstmals ein, dass den Staatsunternehmen das Wasser schon bis zum Hals steht.

Die Kreditgeber des Firmen-Konglomerats Dubai World sollen einem siebenmonatigen Zahlungs-Aufschub zustimmen. Gleichzeitig besorgt sich Dubai zum zweiten Mal in diesem Jahr Geld von den reicheren Brüdern im Nachbaremirat Abu Dhabi. Die Ratingagenturen reagierten prompt und stuften mehrere Staatsunternehmen in Dubai herab.

Abu Dhabi, das wegen seiner großen Ölreserven weniger auf Einnahmen aus anderen Wirtschaftszweigen angewiesen ist als Dubai, fällt nun inoffiziell die Rolle des Bürgen für Dubai zu. Denn obwohl die beiden benachbarten Emirate schon vor Jahren einen sportlichen Wettstreit um das schönste Luxushotel, die beste Fluggesellschaft und die exklusivsten Gäste begonnen haben, glaubt niemand, dass Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, der Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Dubai in den Bankrott schlittern lassen würde.

Einige Experten befürchten allerdings, dass sich die Wirtschaft in Dubai nicht so schnell erholen wird wie die lokalen Auguren voraussagen. Sie glauben, dass die Abwärtsspirale zunächst nicht zu stoppen sein wird, wenn Berichte über Schulden und abgesagte Bauprojekte das Jet-Set-Image der arabischen Metropole erst einmal nachhaltig beschädigt haben.

Das islamische Emirat Dubai hat 1,3 Millionen Einwohner. Es ist das bedeutendste Handelszentrum der Vereinigten Arabischen Emirate (einem Bund aus sieben selbstständigen Emiraten).

Mit einer Fläche von etwa 3900 Quadratkilometern ist der Emirat-Staat am Persischen Golf etwas größer als das Saarland und Berlin zusammen. Er wird in Erbmonarchie regiert.

Diese Angst treibt auch die Verantwortlichen in Dubai um. In der Konzernzentrale von Dubai World hieß es deshalb nur: "Kein Kommentar." Die Tochterfirma Nakheel, die ihre Luxusimmobilien in Zeiten der Finanzkrise nur mit Rabatten verkaufen kann, versucht im Gespräch mit Geschäftspartnern Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Schuldenkrise des Staatskonzerns aus Dubai ist auf jeden Fall Wasser auf die Mühlen der Mahner, die seit Jahren vor der wachsenden Macht der arabischen Staatsfonds warnen.

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