Laut Befragung engagiert sich eine große Mehrzahl der Unternehmer gemeinnützig.

Laut Befragung engagiert sich eine große Mehrzahl der Unternehmer in NRW gemeinnützig.
Fußgängerzone in Krefeld – wer denkt schon an die „dritte Dimension“ der Geschäfte? Archiv

Fußgängerzone in Krefeld – wer denkt schon an die „dritte Dimension“ der Geschäfte? Archiv

Andreas Bischof

Fußgängerzone in Krefeld – wer denkt schon an die „dritte Dimension“ der Geschäfte? Archiv

Düsseldorf. „Tut Gutes und redet darüber“ – so lässt sich der Ratschlag zusammenfassen, den IHK NRW, der Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern des Landes, den Einzelhändlern mit auf den Weg gibt. Basis für diese Empfehlung ist eine Studie, die der Verband in Auftrag gegeben hat. In dieser Erhebung mit dem Titel „Die dritte Dimension des Einzelhandels“ wurden in 16 unterschiedlich großen Modellstädten Einzelhändler über ihr gemeinnütziges Engagement befragt.

„Dritte Dimension“ heißt es deshalb, weil diesem sozialen Engagement die beiden anderen Dimensionen voranstehen. Die Versorgungsfunktion des Handels – Güter kommen zum Verbraucher – und die wirtschaftliche Dimension, die Schaffung von Arbeitsplätzen. In der dritten Dimension sieht es laut der Befragung der Händler so aus:

Gut 70 Prozent der an der Studie teilnehmenden Einzelhändler sind über ihre betriebliche Tätigkeit hinaus im Sinne des Gemeinwohls aktiv. Durchschnittlich wenden Einzelhändler ein bis zwei Arbeitstage im Monat für die ehrenamtliche Tätigkeit auf. Daneben sei der Handel auch ein wichtiger Geldgeber im Ort. Über Spenden, Sponsoring und Sachleistungen beteilige er sich an örtlichen Festen und Einrichtungen. Jeder Einzelhändler, so das Ergebnis der Befragung, investiere jährlich etwa 1400 bis 1900 Euro für diese Zwecke.

Bürger sollten „ein bisschen mehr Wertschätzung zeigen“

Zwei Städte aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung waren dabei. In Wuppertal ist danach das gemeinnützige Engagement eher unterdurchschnittlich. 53 Prozent der befragten Händler gaben an, überbetrieblich aktiv zu sein. Wobei die Empfänger der Mittel sich im Bereich Kinder und Jugend, sozialen Einrichtungen und Sportvereinen finden. In Krefeld gaben 67 Prozent der an der Studie teilnehmenden Händler an, sich überbetrieblich zu engagieren. Hier sind die Schwerpunkte ähnlich wie in Wuppertal.

Für Ralf Kersting, Präsident von IHK NRW, beweist die Studie, dass der stationäre Einzelhandel „als eine zentrale Stütze wesentlich zu einem gelingenden Stadtleben und zum gesellschaftlichen Miteinander beiträgt“. Und in den Augen von NRW-Wirtschaftsminster Garrelt Duin (SPD) zeigt die Studie „sehr eindrucksvoll den Wert des Einzelhandels für die Gesellschaft, für uns alle.“

Interessant ist für die Auftraggeber der Studie ein Ergebnis, das die gleichzeitig durchgeführte Bürgerbefragung zutage gefördert hat. Nicht einmal jedem dritten befragten Kunden war bekannt, dass sich der Einzelhandel über den eigentlichen Betriebszweck hinaus für das Gemeinwohl engagiert.

Die IHK NRW weist auf einen Aspekt hin, der in einer Welt der zunehmenden Digitalisierung nicht unerheblich sei: Neben dem Verkaufs- und Beratungsgespräch nähmen sich viele Einzelhändler Zeit, mit ihren Kunden zu „plauschen“ Dies vermittle dem Kunden eine persönliche Atmosphäre, was gerade in einer von virtuellen Welten geprägten Zeit von besonderer Bedeutung sein dürfte.

Drei Ratschläge gibt es als Fazit der Studie. Der erste geht an die Einzelhändler selbst: Stellt euer gemeinnütziges Engagement in eurer Werbung heraus. Der zweite hat Werbegemeinschaften und Einzelhandelsverbände zu Adressaten: Veröffentlicht jährlich eine „Gemeinwohlbilanz“, um das Engagement auch zu zeigen. Und im allerletzten Satz der Studie wird der Bürger, der Kunde, angesprochen: „Ein bisschen mehr Wertschätzung und ein bisschen mehr Standorttreue für unsere Einzelhändler in unserer Stadt wäre schon eine ganze Menge.“

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