Drei große Anbieter und eine ganze Reihe regionaler Versorger haben Preiserhöhungen ab Januar angekündigt.

Düsseldorf. Strom wird zum Jahreswechsel für viele Haushalte teurer. Mindestens 46 regionale Versorger werden nach Recherchen von Verbraucherportalen die Preise zum Teil deutlich anheben. Auch die großen Versorger Vattenfall, EnBW und EWE haben Preissteigerungen angekündigt. Der Energiekonzern RWE hat sich laut Vorstandschef Jürgen Großmann noch nicht festgelegt. Insgesamt setzt sich ein Trend fort: Seit dem Jahr 2000 sind die Strompreise für Privatkunden nach Berechnungen des Portals "Verivox" insgesamt um 40 Prozent gestiegen.

Welche Faktoren spielen bei der Preisfestsetzung eine Rolle?

Die Preissetzung wird durch drei Faktoren bestimmt: die Beschaffungskosten der Versorger, die Transportkosten für Strom sowie die gesetzliche Umlage für Erneuerbare Energien (EEG-Umlage).

Wie haben sich die Beschaffungskosten entwickelt?

Die Beschaffungskosten der Unternehmen sind im vergangenen Jahr erheblich zurückgegangen, was allgemein sinkende Strompreise für 2010 zur Folge hätte haben können. Dennoch begründen einige Versorger die aktuelle Erhöhung mit steigenden Kosten, da der Strom für mehrere Jahre im Voraus eingekauft werde. Beispiel EWE: Der Strom, den EWE ab 2010 an Privathaushalte verkauft, enthält Stromteilmengen, die EWE zu hohen Handelspreisen 2008 eingekauft hat. Inzwischen sind die Preise an der Leipziger Strombörse drastisch gefallen, ohne dass die deutschen Stromkunden bislang davon deutlich profitiert hätten.

Wie wirken sich die Netzentgelte auf die Strompreise aus?

Die Netzentgelte sind in diesem Jahr deutlich gestiegen. Viele Versorger müssen höhere Preise für die Nutzung von Übertragungsnetzen und den Transport des Stroms zum Verbraucher zahlen. Auch für das kommende Jahr rechnet die Bundesnetzagentur mit steigenden Durchleitungsgebühren, die von den Unternehmen auf den Endkunden umgelegt werden. Und das, obwohl die Agentur auch im kommenden Jahr die Einnahmen der Stromkonzerne kappen will. Die Behörde will nach Medienberichten die Obergrenze für die Erlöse der Betreiber der Hochspannungsnetze zwischen zehn und gut 30 Prozent senken.

Was ist die EEG-Umlage?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet Netzbetreiber, Ökostrom aus Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft zu staatlich festgesetzten Preisen aufzukaufen und in das Netz einzuspeisen. Die Preise, die die Betreiber dafür zahlen müssen, liegen um ein Vielfaches über den Börsenpreisen von Elektrizität. Die EEG-Umlage wird ab 1. Januar auf einheitlich 2,047 Cent/kWh angehoben. Damit ist die Quote beinahe doppelt so hoch wie 2009 und macht sich daher in der Stromrechnung der Endverbraucher deutlich bemerkbar. Die Betreiber von erneuerbaren Energiequellen profitieren von der Umlage, indem ihnen ein fester Vergütungssatz garantiert wird.

Was sagen Kritiker der Preiserhöhung?

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, Björn Klusmann, sagte der Zeitung "Die Welt", die neue EEG-Umlage dürfe nicht zum Anlass für Preiserhöhungen genommen werden. Sie enthalte beispielsweise erstmals Kostenbestandteile, die vorher in den Netzentgelten enthalten waren. "Diese müssten dann jetzt entsprechend sinken", so Klusmann.

Was können die Verbraucher machen?

Experten raten angesichts der Erhöhungen zum Preisvergleich. Bei einem Anbieterwechsel lassen sich in vielen Fällen die Kosten pro Jahr um mehrere hundert Euro reduzieren. alu/est

 

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