Schlachthof
Zoll- und Polizeibeamte nehmen im Schlachthof in München die Personalien von Mitarbeitern des Schlachthofs auf. Polizei und Zoll führten eine Razzia gegen Schwarzarbeiter durch.

Zoll- und Polizeibeamte nehmen im Schlachthof in München die Personalien von Mitarbeitern des Schlachthofs auf. Polizei und Zoll führten eine Razzia gegen Schwarzarbeiter durch.

dpa

Zoll- und Polizeibeamte nehmen im Schlachthof in München die Personalien von Mitarbeitern des Schlachthofs auf. Polizei und Zoll führten eine Razzia gegen Schwarzarbeiter durch.

Düsseldorf (dpa) - Im Düsseldorfer Prozess um systematische Schwarzarbeit in deutschen Schlachthöfen hat die Staatsanwaltschaft fünfeinhalb Jahre Gefängnis für den Unternehmer Axel H. gefordert.

Er sei der Kopf eines bewusst unübersichtlichen Firmengeflechts gewesen, mit dem der Fiskus und die Sozialversicherungen um 15 Millionen Euro gebracht worden seien, sagte Staatsanwältin Bahar Yassini am Mittwoch.

Die Verteidigung zeigte sich mit der Strafforderung einverstanden und betonte, dass die Schlachter mit Ausnahme der vorenthaltenen Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß entlohnt worden seien. Das Urteil soll an diesem Donnerstag verkündet werden.

«Sie werden ihr Urteil im Namen eines Volkes sprechen, das billiges Fleisch haben will», sagte einer der Verteidiger an die Wirtschafts-Strafkammer von Richterin Brigitte Koppenhöfer gewandt. Als Ursache für die aufgedeckten Praktiken spiele der Kostendruck in den Schlachthöfen eine wesentliche Rolle.

Für sieben geständige Komplizen des Unternehmers wurden Strafen zwischen einem Jahr und acht Monaten sowie vier Jahren und zehn Monaten beantragt. Für die Hälfte der acht Angeklagten sollen die Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Arbeiter-Verleiher hatten von Dormagen aus rund 1000 meist rumänische Leiharbeiter in Schlachthöfe geschickt und Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen. Die Angeklagten hatten gestanden. Dadurch konnte der vor sechs Wochen gestartete Prozess erheblich verkürzt werden.

Gegenüber dem Finanzamt wurden die Leiharbeiter als Selbstständige mit Werkverträgen geführt. Die Mitangeklagten, darunter Ehefrauen, waren auch als Geschäftsführer der Subunternehmen eingesetzt, mit denen ein sogenanntes Umsatzsteuer-Karussell betrieben wurde. «Es wurden Schein-Unternehmen gegründet und gezielt in die Insolvenz geschickt, um zu verhindern, dass die Vorsteuer-Erstattung zurückgezahlt werden musste», erklärte die Anklägerin.

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder waren im Mai 2006 zu einer bundesweiten Großrazzia ausgerückt. 14 Schlachthöfe, eine Firmenzentrale eines Schlachthofbetreibers sowie 21 weitere Firmen und zwölf Privatwohnungen wurden durchsucht.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer