FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs des Euro ist am Freitag nach überraschend guten US-Arbeitsmarktdaten auf den tiefsten Stand seit September 2010 gesunken. Neben dem schwindenden Vertrauen der Investoren in die Eurozone mache sich nun auch der erstarkte Dollar bemerkbar, sagten Händler. Am späten Nachmittag rutschte die europäische Gemeinschaftswährung bis auf 1,2698 Dollar ab. Gegenüber seinem Tageshoch am Vormittag verlor der Euro damit mehr als einen Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2776 (Donnerstag: 1,2832) Dollar festgesetzt.

Zu nicht enden wollenden Negativmeldungen über den krisengeschüttelten Bankensektor gesellten sich zum Wochenschluss Sorgen um das von der Pleite bedrohte Ungarn. Zudem treten die großen Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien wieder in den Vordergrund. Die Übernachteinlagen der Geldinstitute - die sogenannte "Vorsichtskasse" - bei der EZB erreichten einen neuen Rekordstand bei 455,3 Milliarden Euro. Am Nachmittag stufte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramsch-Niveau herab. Das Land zählt zwar nicht zur Eurozone. Aufgrund des starken Engagements vor allem österreichischer Banken gehen Experten jedoch von erhöhter Ansteckungsgefahr aus.

Darüber hinaus sorgt der Refinanzierungsdruck, der auf den großen Krisenländern des Euroraums lastet, nach Einschätzung von Händlern für steigende Nervosität unter Investoren. Italien und Spanien müssen in der kommenden Woche ihre ersten Anleiheauktionen im neuen Jahr über die Bühne bringen. Steigende Renditen am Zweitmarkt, wo umlaufende Staatstitel gehandelt werden, ließen sich am Freitag bereits als schlechte Vorzeichen interpretieren.

Zusätzlich zur schwelenden Schuldenkrise im Euroraum bekommt die Gemeinschaftswährung aufgrund einer anhaltenden Serie robuster Konjunkturdaten aus den USA mittlerweile auch Gegenwind durch den erstarkten Dollar. Am Nachmittag konnte der viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht positiv überraschen und so weitere Unterstützung für den Dollar liefern.

Zu anderen wichtigen Währungen hatte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82640 (0,82675) britische Pfund , 98,56 (98,67) japanische Yen und 1,2177 (1,2187) Schweizer Franken festgelegt. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1.616,50 (Vortag: 1.599,00) Dollar fixiert. Ein Kilogramm Gold kostete 42.940,00 Euro (Vortag: 39.740,00 Euro).

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