Frankfurt/Main (dpa) - Schwache deutsche Einzelhandelsdaten haben den Dax am Freitag auf den tiefsten Stand seit Mitte Dezember gedrückt.

Zudem lasteten laut Marktexperte Gregor Kuhn vom Broker IG die anhaltenden Kapitalmarktabflüsse in einigen angeschlagenen Schwellenländern auf der Stimmung. «Anleger gehen derzeit auf Nummer sicher und machen Kasse. Ein Ende der aktuell laufenden Korrektur ist bis dato nicht in Sicht.»

Der deutsche Leitindex rutschte bis auf 9166 Punkte ab. Zum Börsenschluss konnte er zwar sein Minus bei 9306,48 Punkten auf 0,71 Prozent eindämmen. Auf Wochenbasis büßte der Dax aber 0,91 Prozent ein - nach bereits über dreieinhalb Prozent in der Vorwoche. Für den Januar summieren sich die Verluste auf 2,57 Prozent, womit der Index den schwächsten Jahresstart seit vier Jahren hingelegt hat. Flugs machte am Markt das Börsensprichwort «Wie der Januar, so das ganze Jahr» die Runde - allerdings hatte der Dax im Jahr 2010 letztlich dennoch ein Jahresplus von 16 Prozent geschafft.

Der MDax schloss am Freitag 0,49 Prozent schwächer bei 16 205,88 Punkten, wogegen der TecDax ein Plus von 0,12 Prozent auf 1221,15 Punkte erzielte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss 0,44 Prozent schwächer bei 3013,96 Punkten. Die nationalen Indizes in Paris und London erlitten ähnliche Verluste. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Handelsende über ein halbes Prozent im Minus.

Für trübe Stimmung sorgte der deutsche Einzelhandel mit einem herben Rückschlag im Dezember. Sein Umsatz war gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt (real) um 2,4 Prozent gefallen. Ökonomen hatten mit einem Anstieg um 1,9 Prozent gerechnet. Die überraschend gesunkene Inflation in der Eurozone bot ebenfalls kaum Unterstützung. Der schwache Preisauftrieb könnte die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag unter Zugzwang setzen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Einzelwerte wurden vor allem von Analystenkommentaren bewegt: Eine weniger negative Einschätzung von JPMorgan bescherte den Titeln des Versorgers Eon ein Plus von 1,39 Prozent und den Spitzenplatz im Dax. Die Ergebnisse für das vergangene Jahr könnten besser ausfallen als befürchtet, vermutet Analystin Nathalie Casali. Die Fresenius-Titel rutschten dagegen um 2,07 Prozent ab. Börsianer begründeten dies mit einer zurückhaltenderen Einstufung der Credit Suisse. Analyst Christoph Gretler hält die Papiere für angemessen bewertet und traut ihnen kaum noch Kurspotenzial zu.

Die Papiere vom Dax-Schlusslicht Deutsche Bank gaben nach einer Abstufung durch Barclays um 2,79 Prozent nach. Der deutsche Branchenprimus tue sich schwerer bei der Entschuldung der Bilanz als andere Banken, hieß es. Die Aktien der Commerzbank verloren 2,36 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,32 (Vortag: 1,35) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,14 Prozent auf 134,32 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,39 Prozent auf 143,85 Punkte. Der Kurs des Euro sank weiter auf zuletzt 1,3504 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,3516 (Donnerstag: 1,3574) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7399 (0,7367) Euro gekostet.

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