Jürgen Stark
Nach Ansicht von Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat die jüngste Geldflut der Notenbanken die Lage keineswegs verbessert. Foto: Alex Hofford

Nach Ansicht von Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat die jüngste Geldflut der Notenbanken die Lage keineswegs verbessert. Foto: Alex Hofford

dpa

Nach Ansicht von Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat die jüngste Geldflut der Notenbanken die Lage keineswegs verbessert. Foto: Alex Hofford

Frankfurt/Main (dpa) - Die reichen Länder Europas dürfen nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi nicht dauerhaft für hoch verschuldete Partner einstehen.

«Generell gilt: Wenn wir das Geld der Steuerzahler schützen wollen, darf aus der Euro-Zone keine Transferunion werden, in der ein, zwei Länder zahlen, der Rest ausgibt und das Ganze durch gemeinsame Eurobonds finanziert wird. Das darf nicht sein», sagte der Italiener der «Bild»-Zeitung (Freitag).

Nach Ansicht von Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark jedoch, hat die jüngste Geldflut der Notenbanken die Lage keineswegs verbessert. In vielen Volkswirtschaften könne man «keinen ernsthaften Versuch erkennen, die Fiskalpolitik in den Griff zu bekommen», urteilte Stark im Gespräch mit dem «Handelsblatt» (Freitag): «Sowohl die Weltwirtschaft als auch das Weltfinanzsystem stehen heute erneut unter Drogen.»

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Europas Geschäftsbanken im Dezember und Februar extrem billiges Geld mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren angeboten. Abgerufen wurde insgesamt gut eine Billion Euro. Weil die Institute zum Teil Geld aus anderen Geschäften mit der EZB umschichteten, kamen nach Berechnungen von Volkswirten von dem frischen Geld netto gut 500 Milliarden zusätzlich im Finanzsystem an.

Nach Überzeugung Draghis verhinderten die Währungshüter mit der Geldflut ein Austrocknen der Finanzmärkte. Im ersten Teil seines Interviews mit der «Bild»-Zeitung, das am Donnerstag veröffentlicht wurde, sagte der EZB-Präsident: «Das Schlimmste ist vorüber, aber es gibt auch noch Risiken. Die Lage stabilisiert sich.»

Stark hielt dagegen: «Historisch wissen wir, dass jede besonders starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zu Inflation führt.» Es sei nicht möglich, die gigantische Liquidität, rasch wieder aus dem Markt zu nehmen, sofern dies aufgrund anziehender Preissteigerungsraten notwendig werde.

Draghi betonte, dank der Milliardenhilfen habe Griechenland eine Chance, aus der Abwärtsspirale herauszukommen. Die EZB mache sich über den Austritt eines Landes aus dem Währungsraum «aus Prinzip keine Gedanken». Die Milliardenhilfen für Griechenland rufen immer wieder Forderungen hervor, das wirtschaftlich relativ unbedeutende Land aus dem Euro auszuschließen.

«Ein Austritt und die Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten, würden nichts verbessern», sagte Draghi. «Der Zwang zu Reformen würde nicht nachlassen. Auf der anderen Seite wären aber hohe Inflation und Instabilität die Folge eines Austritts - und auf unabsehbare Zeit würde niemand mehr Griechenland das nötige Geld leihen.»

Der neue Fiskalpakt der Eurostaaten sei der richtige Weg, befand Draghi. «Eine Gemeinschaft muss auf Vertrauen gründen, auf Vertrauen in die Einhaltung gemeinsamer Regeln für zum Beispiel Haushaltsdisziplin», sagte der EZB-Präsident.

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