Justiz: Rolf Demuth, der Gründer der insolventen Schieder-Möbel, muss sich wegen besonders schweren Betrugs verantworten.

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Rolf Demuth galt lange als „König der Möbelindustrie“.

Rolf Demuth galt lange als „König der Möbelindustrie“.

dpa

Rolf Demuth galt lange als „König der Möbelindustrie“.

Detmold. Einst war er der König der europäischen Möbelindustrie: Als Firmengründer führte Rolf Demuth (71) Schieder-Möbel an die Spitze. Im lippischen Schieder-Schwalenberg, einem 10 000-Einwohner-Dorf im Herzen der deutschen Möbelindustrie, entstand ein Imperium mit einem Milliarden-Umsatz. 2007 kam das Aus: Die Schieder-Möbel Holding GmbH machte pleite und wurde zerschlagen. Der Untergang hat jetzt ein Nachspiel vor dem Landgericht Detmold.

Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft

In einem der wohl größten Wirtschaftsprozesse der Nachkriegszeit muss Demuth von Donnerstag an zusammen mit drei seiner Ex-Manager auf der Anklagebank Platz nehmen. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Es geht um besonders schweren Betrug und Kreditbetrug. Der Schaden soll sich auf mindestens 234 Millionen Euro summieren. Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Bielefeld sollen die Beschuldigten Bilanzen gefälscht und so von Banken und Investoren 346 Millionen Euro erschlichen haben.

Der wirtschaftliche Niedergang sollte verheimlicht werden

Im Geschäftsjahr 2004/2005 meldete Schieder einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro, hatte über 11 000 Beschäftigte, davon 1800 in Deutschland. Das Geschäft solle ausgebaut werden, kündigte man damals an. Die Ertragslage sei "zufriedenstellend". Der Anklage zufolge gab es schon damals Probleme: Mindestens vom Geschäftsjahr 2003/2004 an, wahrscheinlich schon früher, seien Konzernabschlüsse in der Gruppe manipuliert worden.

Lagerbestände wurden überbewertet oder erfasst, obwohl sie gar nicht vorhanden waren, meint die Staatsanwaltschaft. Dadurch sollte der wirtschaftliche Niedergang der Schieder-Gruppe vor allem vor Kredit- und Kapitalgebern verheimlicht werden.

Firmengründer Demuth werden besonders schwerer Betrug in vier Fällen mit einem Gesamtschaden von 234 Millionen Euro, Beihilfe zur Bilanzfälschung in zwei Fällen und Kreditbetrug vorgeworfen. Angeklagt sind zudem zwei 45 und 49 Jahre alte ehemalige Geschäftsführer und ein 49 Jahre alter früherer Leiter der Finanzabteilung.

Nach der Insolvenz des Schieder-Imperiums wurden 2007 mehrere Töchter verkauft. Einer der Investoren war damals Nicolas Berggruen, der derzeit als Karstadt-Käufer Furore macht.

Berggruen kaufte Schieder-Beteiligungen in Liechtenstein und Österreich sowie Fabriken in Polen. Die von Berggruen übernommenen Schieder-Töchter erwirtschafteten damals 250 Millionen Euro Umsatz und und beschäftigten 3500 Mitarbeiter.

Drei der Manager hatten mehrere Monate in Untersuchungshaft verbracht, bevor sie weitgehende Geständnisse ablegten und auf freien Fuß kamen. Auch Demuth räumte aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe weitgehend ein und wurde gegen eine Kaution von 400 000 Euro freigelassen.

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