Die Märkte wetten gegen Italien, erste Stimmen halten den zeitweisen Zahlungsausfall der Griechen für möglich.

Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in Berlin wollen die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident das Euro-Krisentreffen vorbereiten.
Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in Berlin wollen die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident das Euro-Krisentreffen vorbereiten.

Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in Berlin wollen die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident das Euro-Krisentreffen vorbereiten.

dpa

Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen in Berlin wollen die Bundeskanzlerin und der französische Staatspräsident das Euro-Krisentreffen vorbereiten.

Brüssel. Die Eurozone zittert vor einer Infektion Italiens mit dem Griechenland-Virus. Und während die Politiker von einem Krisentreffen zum nächsten eilen, und es erste Stimmen gibt, die einen zeitweisen Zahlungsausfall Griechenlands für möglich halten, reagieren die Märkte heftig auf die Eskalation.

Der Euro

Nachdem sich die Gemeinschaftswährung zuletzt erstaunlich robust gezeigt hatte, gerät sie nun durch die Krise zusehends unter Druck. Gestern sank der Euro deutlich unter die Marke von 1,40 Dollar. Mit zeitweise 1,3838 Dollar kostete er so wenig wie zuletzt Mitte März. Damit notierte der Euro zwar immer noch deutlich höher als im Durchschnitt seit der Euro-Einführung – der Sinkflug beschleunigt sich aber. Allein seit Wochenbeginn hat der Euro zum Dollar mehr als drei Cent an Wert verloren. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,3975 Dollar fest.

Der Kapitalmarkt

Die Finanzmärkte verlangen sprunghaft steigende Gefahrenzulagen für italienische Staatsanleihen. Gestern kletterte die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms erstmals seit 1997 – also vor der Euro-Einführung – zeitweise über die Marke von sechs Prozent. Zum Vergleich: In den Krisen-Ländern Griechenland, Irland und Portugal liegen die zehnjährigen Zinsen bei 16, 12,7 und 12,2 Prozent.

Die deutschen Zinsen

Auf der Schattenseite stehen Griechenland, Portugal und Italien, auf der Sonnenseite steht Deutschland: Bei den Zinsen für die als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen darf sich die Bundesregierung über fast schon paradiesische Zustände freuen. Im Zuge der Schuldenkrise haben die von Deutschland zu zahlenden Zinsen zu einer rasanten Talfahrt angesetzt. Gestern lag die Rendite für die deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei unter 2,67 Prozent und damit so tief wie kaum jemals zuvor.

Die Börsen

Das neueste Aufflammen der Euro-Schuldenkrise hat die europäischen Börsen zeitweise stärker einbrechen lassen als die japanische Naturkatastrophe Mitte März. Seit vergangenem Freitag büßte der Leitindex der Eurozone bis zu über acht Prozent ein. Vor vier Monaten hatten Erdbeben, Tsunami und die anschließende Havarie des Atomkraftwerks Fukushima den EuroStoxx 50 in der Spitze mehr als sechseinhalb Prozent seines Werts gekostet.

Der deutsche Leitindex Dax setzte ebenfalls seine Talfahrt fort. Er verlor am Vormittag mehr als drei Prozent und fiel zwischenzeitlich unter die 7000-Punkte-Marke. Nachdem Italien am Mittag erfolgreich Anleihen platzieren konnte, beruhigten sich die Märkte allerdings wieder. Der Dax ging am Abend mit einem Minus von 0,78 Prozent auf 7174,14 Punkte aus dem Handel.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer