Der Güterverkehr soll schneller werden. Er erhält in vielen Fällen Vorfahrt vor dem Nahverkehr.

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S-Bahn-Züge müssen demnächst möglicherweise auf Güterzüge warten.

S-Bahn-Züge müssen demnächst möglicherweise auf Güterzüge warten.

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S-Bahn-Züge müssen demnächst möglicherweise auf Güterzüge warten.

Straßburg. S-Bahn-Pendler müssen sich in Zukunft auf längere Wartezeiten einstellen, weil Güterzügen häufiger Vorfahrt vor dem Nahverkehr gewährt wird. Das fürchten zumindest deutsche Europaabgeordnete und die Deutsche Bahn, die enttäuscht auf eine Entscheidung des EU-Parlaments von  reagieren.

Die Straßburger Abgeordneten haben sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass der grenzüberschreitende Güterverkehr in Europa beschleunigt werden soll, um mehr Fracht von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Zu diesem Zweck wird die Regie über die Vergabe der Trassen aufgeteilt.

Deutschland ist als Transitland besonders stark betroffen

In Zukunft ist es nicht mehr allein im Ermessen des jeweiligen Landes, welcher Zug zuerst freie Fahrt erhält und welche Bahn erst einmal warten muss. Denn über die Vergabe der Trassen entscheidet demnächst eine Zentralstelle mit, in der alle beteiligten Betreiber der Netze, über die ein Ferngüterzug rollt, eine Stimme haben. Deutschland ist von der neuen Regelung besonders stark betroffen, weil es durch seine zentrale Lage in Europa Transitland für viele Güterverbindungen ist.

Die Bundesregierung hat sich deshalb lange gegen die neuen Vorgaben gewehrt, ebenso wie zuletzt deutsche Abgeordnete - doch ihr Widerstand war vergeblich.

Deutschland muss in den nächsten Jahren mindestens drei internationale Korridore für den internationalen Güterverkehr einrichten. Eine Route verläuft von Antwerpen und Rotterdam über Duisburg und Basel nach Mailand. Die zweite Strecke führt von Kopenhagen über Hamburg nach Innsbruck. Ein dritter Korridor zieht sich von Rotterdam über Aachen nach Berlin und Warschau.

Ursprünglich sollten Güterzüge immer Vorfahrt erhalten

"Alle drei Korridore führen durch wichtige Zentren wie Frankfurt oder Fulda, Berlin oder Hamburg, Duisburg oder Aachen", erklärt der hessische CDU-Europaabgeordnete Thomas Mann. Kleiner Trost für Deutschlands Pendler: Ursprünglich sollte der Güterverkehr bei allen Engpässen wegen Fahrplanabweichungen pauschal Vorfahrt erhalten. Diese Vorgabe wurde im Laufe des Verhandlungen auf Druck der Deutschen gestrichen.

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