Thunfisch
Gefrorener Thunfisch in einer Auktionshalle (Archivfoto vom 05.01.2007)

Gefrorener Thunfisch in einer Auktionshalle (Archivfoto vom 05.01.2007)

dpa

Gefrorener Thunfisch in einer Auktionshalle (Archivfoto vom 05.01.2007)

Brüssel (dpa) - Die Fischer in der Nordsee und im Nordatlantik sollen im kommenden Jahr deutlich weniger Fische fangen. Vor allem die Bestände von Kabeljau und Seelachs müssen geschont werden. Über die genauen Fangquoten verhandeln die EU-Agrarminister seit Montag in Brüssel.

Beschlüsse des zweitägigen Treffens werden erst am Dienstag erwartet. Nach ersten Plänen sollen die Fischer 2011 ein Fünftel weniger Kabeljau fangen als im Vorjahr und 13 Prozent weniger Seelachs, berichteten EU-Diplomaten. Dagegen gehe es dem Hering in der Nordsee so gut, dass die Fangquote um 21 Prozent steigen soll. Bei der Scholle sei ein Plus von 15 Prozent vorgesehen.

Grund für die Reduzierung ist die intensive Fischerei, die die Bestände dramatisch minimiert hat. In Europa gelten fast 90 Prozent der Bestände als überfischt. Deshalb gehen seit fünf Jahren die erlaubten Fangmengen kontinuierlich zurück. Die EU-Kommission hatte im November vorgeschlagen, wegen Überfischung der Meere insgesamt fast 90 000 Tonnen oder zehn Prozent weniger Fisch zu fangen als 2010. Dabei stützt sie sich auf ein Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES).

Die EU-Staaten wollen die Quoten künftig stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten - und nicht an politischen Machtkämpfen zwischen den EU-Staaten. Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner sprach sich vor den traditionell harten Verhandlungen dafür aus, die Quoten von wissenschaftlichen Empfehlungen abhängig zu machen.

«Wir setzen uns für eine nachhaltige Fischerei ein», betonte die CSU-Politikerin in Brüssel. «Für die Fischer ist das bestimmt nicht einfach.» Es sei aber notwendig, die Bestände dauerhaft zu erhalten, damit die Arbeitsplätze gesichert seien. «Das ist auch eine Grundsicherung für die Fischer.»

Scharfe Kritik kam von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Ihr Meeresexperte Thilo Maack sagte: «Wenn wir bei der Situation bleiben, wie wir sie jetzt haben, dann haben sich die Arbeitsplätze in der Fischerei von selbst erledigt.» Aktivisten bauten vor der Tür des EU-Ministerrats in Brüssel ein Kutter-Modell auf. Greenpeace befürchtet, dass die Politiker zugunsten der Fischer von den wissenschaftlichen Vorgaben abweichen. Aigner versicherte den Demonstranten, sich auf die Wissenschaft stützen zu wollen.

Maack zufolge müssen die Fangkapazitäten um die Hälfte reduziert und große Meeresgebiete ohne Fischerei eingerichtet werden. Die Umweltschützer fordern zudem, die Flotten zu verkleinern.

Bereits Ende Oktober hatte die EU die Fangquoten für die Ostsee festgelegt. Auch dort wurden die erlaubten Mengen reduziert. So dürfen Ostsee-Fischer im kommenden Jahr nicht mehr soviel Hering fangen (minus 30 Prozent), weil es in der westlichen Ostsee so wenige von ihnen wie noch nie gibt. Die Fangmengen für Sprotten wurden um 24 Prozent abgesenkt, für Lachs um 15 Prozent. Allerdings darf wieder etwas mehr Dorsch gefangen werden.

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