Euro eingeführt
Schon seit längerer Zeit wurden alle Preise sowohl in Euro als auch in estnischer Krone angegeben.

Schon seit längerer Zeit wurden alle Preise sowohl in Euro als auch in estnischer Krone angegeben.

dpa

Schon seit längerer Zeit wurden alle Preise sowohl in Euro als auch in estnischer Krone angegeben.

Tallinn (dpa) - Estland begrüßt zusammen mit dem neuen Jahr auch den Euro: Mitten in der europäischen Schuldenkrise hat der baltische Staat als 17. Land den Euro eingeführt.

Estland ist das dritte unter den neuen ost- und zentraleuropäischen Mitgliedern der Europäischen Union mit der Gemeinschaftswährung. Zuvor hatten Slowenien und die Slowakei dieses Ziel erreicht.

Es gebe keine Schwierigkeiten bei der Umstellung, teilte die Zentralbank am Samstag in der Hauptstadt Tallinn mit. Viele Menschen befürchten allerdings einen weiteren Preisanstieg.

Um Mitternacht wurde das baltische Land mit 1,3 Millionen Bürgern, das der EU seit 2004 angehört, zum Euro-Land - als erste frühere Sowjetrepublik. Insgesamt leben nun in der Eurozone 330 Millionen Menschen. Die Staats- und Regierungschefs hatten bei einem Gipfel im Juni in Brüssel endgültig grünes Licht für die Einführung der EU- Währung in Estland gegeben.

Estland erfüllt im Gegensatz zu seinen Nachbarn Lettland und Litauen die Beitrittsbedingungen mit einem annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt und geringen öffentlichen Schulden. Die Teuerungsrate allerdings hat zuletzt kräftig angezogen und liegt mit fünf Prozent im EU-Vergleich hoch. Schon 2007 hätten die Esten um ein Haar den Beitritt zum Euro geschafft, scheiterten aber hauchdünn an der zu hohen Inflation.

In der Euro-Krise, die Rettungsaktionen für wackelnde Euro-Länder wie Griechenland und Irland notwendig machte, sind Staaten mit stabiler Haushaltspolitik in der EU willkommen. «Der Eintritt Estlands in den Euroraum ist ein starkes Signal für die Attraktivität des Euro und die Stabilität, die dieser den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bringt», sagte der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso.

Ungeachtet der Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euro-Staaten warb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Gemeinschaftswährung. «Der Euro ist ja weit mehr als eine Währung», sagte sie in ihrer Neujahrsansprache. Der Euro sei die Grundlage für den Wohlstand im Land, betonte die CDU-Vorsitzende, die sich ausdrücklich zur europäischen Idee bekannte. «Das vereinte Europa ist der Garant für unseren Frieden und Freiheit.»

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy setzte sich in seiner Neujahrsansprache ebenfalls für den Euro ein. «Die Abschottung Frankreichs wäre Wahnsinn. Das Ende des Euro wäre das Ende Europas», sagte der Staatschef in seiner Rede an die Nation. Er werde sich mit allen Kräften gegen einen Rückschritt stellen. Sarkozy versprach zudem eiserne Haushaltsdisziplin. «Die Länder, die über ihre Verhältnisse leben wollten, ohne an den nächsten Tag zu denken, sind hart bestraft worden. Meine oberste Pflicht ist es, Frankreich vor einer solchen Perspektive zu schützen.»

EU-Währungskommissar Olli Rehn nannte den Euro-Beitritt Estlands schon am Freitag eine «gerechte Belohnung für ein Land, das sich einer soliden Haushaltspolitik verschrieben hat». Der Euro werde der estnischen Wirtschaft Stabilität und Wohlstand geben. Wann die nächsten jungen EU-Länder ihre heimische Währung gegen den Euro tauschen werden, ist ungewiss.

Kurz nach Mitternacht hob Ministerpräsident Andrus Ansip erstmals Euro-Banknoten an einem Geldautomaten ab. Umgeben von Journalisten zog er 20 Euro. «Dies ist eine kleine Summe für die Eurozone, aber ein großer Schritt für Estland», sagte Ansip. Die Euro-Einführung bestätige den Status Estlands als europäische Nation.

Direkt nach der Umstellung berichteten Händler über einige Fälle von Störungen in Registrierkassen und an Geldautomaten. Die estnische Krone soll bis Mitte Januar parallel in den Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

Von Begeisterung über die neue Währung war im Alltag Estlands bislang wenig zu spüren. Bei Umfragen haben mal die Befürworter, mal die Gegner die Nase knapp vorn. Neben der Angst vor einem zusätzlichen Preisanstieg gilt der Zeitpunkt der Währungsumstellung als Grund für die anhaltende Euro-Skepsis. Euro-Gegner befürchten, dass Estland für die Schulden anderer aufkommen muss.

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