Nach Sex-Party und Riester-Pannen räumt der Konzern Fehler ein.

versicherung
Ergo-Chef Torsten Oletzky gab sich am Mittwoch nach den Vorfällen nachdenklich und räumte Fehler ein.

Ergo-Chef Torsten Oletzky gab sich am Mittwoch nach den Vorfällen nachdenklich und räumte Fehler ein.

dpa

Ergo-Chef Torsten Oletzky gab sich am Mittwoch nach den Vorfällen nachdenklich und räumte Fehler ein.

Düsseldorf. Rotlicht-Orgie von Versicherungsvertretern in Budapest, dicke Pannen bei Riester-Verträgen: Nach vier Monaten schlechter Schlagzeilen suchte die Ergo-Versicherungsgruppe am Mittwoch die Offensive. Vor zahlreichen Journalisten räumte Vorstandschef Torsten Oletzky massive Fehler ein und kündigte gleichzeitig ein Maßnahmenbündel an, um Wiederholungen zu unterbinden.

„Das hat uns in einer schwierigen Phase getroffen.“

Torsten Oletzky, Ergo-Chef, zum Budapest-Skandal

Vor allem die Sex-Party in Ungarn, bei der sich zwei Festangestellte und 64 selbstständige Versicherungsvertreter in einem Thermalbad mit Prostituierten vergnügten und dabei 83 000 Euro Spesen dem Konzern in Rechnung stellten, hat dem Image der Ergo enorm geschadet. Der Skandal wurde mitten in einer Phase öffentlich, in der sich die Tochter der Munich Re als Nachfolger von Hamburg Mannheimer und Victoria auf dem Markt platzieren wollte und um Vertrauen warb. „Das hat uns in einer schwierigen Phase getroffen“, sagte Oletzky.

Ein Kundenanwalt soll Vertrauen schaffen

Das Unternehmen reagiert auf zwei Ebenen: intern und mit einer Öffnung gegenüber den Kunden. Laut Oletzky müssen künftig alle Vertreter einen Ehrenkodex unterzeichnen. Der habe zwar wohl nur geringe juristische Bedeutung, räumte Oletzky ein, sei aber als vertrauensbildende Maßnahme zu verstehen. Ebenso wie die neue Funktion des Kundenanwalts, der seit Jahresanfang eine Art Schiedsmannfunktion zwischen Kunden und Konzern darstellen soll.

Bei der Riester-Panne haben die Abläufe nicht funktioniert

Auch bei Riester-Verträgen des Unternehmens hat es Missstände gegeben, die erst durch Presseartikel bekannt wurden. Der konkrete Fall liege schon sechs Jahre zurück und sei durch einen Formularfehler entstanden. Danach hätten allerdings die Abläufe im Haus nicht funktioniert, so Oletzky.

Um sich abzusichern, hat Ergo die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PWC) beauftragt, die Vorgänge und vor allem den Umgang mit ihnen zu beurteilen. „Das war angemessen und professionell“, sagte Steffen Salvenmoser von PWC.

Bei 500 Kündigungen wurde der Skandal als Grund genannt

Der direkt entstandene Schaden für Ergo ist laut Finanzvorstand Christoph Jurecka nicht zu bemessen. Es habe zwar 500 Kündigungen gegeben, bei denen als Begründung die Skandale genannt wurden. Aber insgesamt sei die Zahl der Stornos rückläufig. „Das Geschäftsjahr läuft gut“, so Jurecka.

Oletzky räumte ein, dass die Vorgänge wohl von Ex-Vertretern losgetreten wurden, die sich mit Ergo um Geld streiten und ihr Wissen an die Presse weitergegeben hätten. Eine grundsätzliche Neuaufstellung der Vertriebsstruktur lehnte er ab. „Das steht nicht auf der Tagesordnung.“ Am umstrittenen Strukturvertrieb mit Provisionszahlung bei Vertragsabschluss wolle man festhalten.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer