Deutschland ist stolz auf seine Export-Quote. Doch nun wird Kritik laut, der wirtschaftliche Platzhirsch schwäche andere Staaten.

Paris. Die scharfen Worte aus Paris in einem Londoner Zeitungsinterview kamen für die Bundesregierung alles andere als überraschend. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sprach schließlich nur das laut aus, was andere Euro-Länder schon seit längerem wurmt: die hohen Exportquoten Deutschlands.

Die satten Handelsüberschüsse seien nämlich Folge jahrelanger Niedriglohnpolitik, meinen Kritiker. Das mache Produkte "Made in Germany" im Ausland attraktiver; Deutschland verschaffe sich so Vorteile auf Kosten der Anderen und komme leichter durch die Rezession.

Die Schelte macht einen Konflikt deutlich, der schon vor der Griechenland-Krise lange schwelte: Die Ungleichgewichte zwischen starken und schwächeren Euro-Ländern. Etliche hinken in puncto Wettbewerbsfähigkeit hinterher und müssen nun - wie die Athener Regierung - radikal mit Reformen nachziehen.

Tatsache ist, dass Deutschland in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten Weltmarktanteile gewonnen hat, auch weil es die Lohnkosten im europäischen Vergleich gedrückt hat. Reallöhne sowie Arbeitskosten sind kaum oder langsamer gestiegen als in anderen Euro-Ländern. Das liegt an Reformen, aber auch an einer moderaten Tarifpolitik.

Das Mini-Plus bei den Arbeitskosten half Ex-Exportweltmeister Deutschland, seine Wettbewerbsposition in Europa auszubauen. Kehrseite der Medaille: Die Lohnzurückhaltung ging zulasten der Inlandsnachfrage. Die fiel in der Rezession als Konjunkturmotor aus. Zumal die Kluft zwischen Reichen und Geringverdienern so stark zunahm wie in kaum einem anderen Staat.

Seine Überschüsse erzielt Deutschland vor allem im Euro-Raum. In der Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsmächte steht Deutschland häufiger am Pranger, wenn es um den Abbau der Ungleichgewichte zwischen den Wirtschaftsblöcken USA, Europa und China geht. Letztlich missfällt es, dass einige Länder die globale Nachfrage- und Konsummaschine mit gigantischen Schulden am Laufen halten und Deutschland sowie China mit Exporten ihr Wachstum sichern.

Lagarde geht es weniger darum, dass Deutschland weniger exportiert, sondern sie will eine Balance zwischen Ausfuhren und Einfuhren. Wenn Deutschland die Binnennachfrage ankurbelte, dann würde davon auch sein wichtigster Handelspartner profitieren: Frankreich.

Französische Analysten wenden sich aber dagegen, dass Frankreich den Deutschen Lehren in Wirtschaftspolitik erteilt. Ein Land, das nicht den Mut für die nötigen Reformen habe, könne einem Partner schwerlich vorwerfen, ein zu guter Schüler zu sein, sagte Marc Fiorentino von Euroland Finance.

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