Das Gezerre bei Düsseldorfs Energieriesen ist beendet: Der umstrittene Boss verzichtet auf Vertragsverlängerung.

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Wulf Bernotat will ab 2010 für eine große internationale Organisation tätig werden.

Wulf Bernotat will ab 2010 für eine große internationale Organisation tätig werden.

dpa

Wulf Bernotat will ab 2010 für eine große internationale Organisation tätig werden.

Essen. Seine übliche Rede als Vorstandsvorsitzender in der Essener Gruga-Halle beendete Eon-Chef Wulf Bernotat (60) diesmal mit einem Paukenschlag: Er will im Mai 2010 freiwillig seinen Chefsessel räumen, kündigte er den rund 3500 Aktionären an.

In einer persönlichen Erklärung teilte er den verdutzten Anteilseignern mit, dass er am Dienstag den Aufsichtsrat unter seinem Vorgänger Ulrich Hartmann darüber informiert habe, dass er für eine weitere Verlängerung seines Vertrages über den Mai 2010 hinaus nicht mehr zur Verfügung stehe. Er werde im kommenden Jahr 62 Jahre alt und wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen jenseits des operativen Geschäfts stellen.

Zu vermuteten Differenzen fügte Bernotat auf Aktionärsfragen später hinzu, dass der Rückzug eine persönliche Entscheidung war und keinerlei Hintergrund in Meinungsverschiedenheiten in Vorstand und Aufsichtsrat gehabt hätte. "Man muss wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist", so der Eon-Chef.

Auch Aufsichtsratschef Hartmann lobte Bernotat über den grünen Klee. Er habe Bernotat seit dessen Eintritt in die Veba vor 13 Jahren immer "sehr geschätzt". 2003 hätte er ihn zum Nachfolger gemacht, weil er "ganz oben auf der Liste" gestanden hätte.

Die Arbeitsteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat hätte immer "bestens" funktioniert. Die Kontrolleure seien immer in die Vorstandsarbeit eng eingebunden worden und gut informiert worden. Der Aufsichtsrat könne laut Hartmann jetzt in Ruhe die Vorstandspersonalien planen.

Kronprinz Teyssen gilt als Bernotats Nachfolger

Bei den Staatsanwaltschaften Essen und Düsseldorf liegen Anzeigen gegen die Energiekonzerne RWE und Eon vor. Das bestätigten Behördensprecher am Mittwoch.

Laut der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wurde die Anzeige gegen Eon wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des Betrugs bereits vor mehreren Wochen erstattet. Sie komme von einem Privatmann, einem Diplom-Finanzwirt. Dieser äußere den Verdacht, Eon habe die Strompreise an der Börse in Leipzig manipuliert, indem bewusst die Strommenge verknappt worden sei.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf prüft bisher noch, ob überhaupt ein Anfangsverdacht zur Aufnahme von Ermittlungen besteht. Zudem soll es eine ähnliche Anzeige bei der Behörde in Leipzig geben, mit der man sich derzeit abstimme.

So reibungslos, wie von beiden Seiten am Mittwoch dargestellt, dürfte die Zusammenarbeit kaum gelaufen sein. Spätestens seit dem verpatzten Milliarden-Coup mit der spanischen Endesa galt Bernotat als angeschlagen.

Vor eineinhalb Jahren, mit Bekanntgabe Anfang Dezember 2007, wurde er dann "Außenminister" im Eon-Konzern. Das operative Geschäft wurde auf den neuen Vize Johannes Teyssen (49) übertragen, zuvor Finanzvorstand bei der Eon Energie und Vertriebschef.

Für Teyssen ist seit Mittwoch der Weg an die Eon-Spitze damit frei, bestätigten unternehmensnahe Kreise am Rande der Hauptversammlung. Auch Bernotat soll bereits einen neuen Posten haben - bei einer großen internationalen Organisation, hieß es.

Zum Abschied wurde der Eon-Chef von Aktionärsvertretern gelobt: "Mit Bernotat sind wir durch den Sturm gekommen", meinte ein Aktionär in Anspielung auf ein Eon-Sparprogramm. Er hoffte, dass sich der Sturm dann bis 2010 gelegt habe.

Das Programm "Perform to Win", das jährlich 1,5 Milliarden Euro Kosten sparen soll, hatte Bernotat im Februar unter dem Titel "Mit Energie durch den Sturm" angekündigt. Seitdem haben die Mitarbeiter Angst um den Arbeitsplatz und der Betriebsrat hat sich von Bernotat abgewendet.

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